MIZ-Schwerpunkt 2/17: „stimmen, abstimmen, mitbestimmen“

WEIMAR. (fgw) Die Zeitschrift MIZ - Politisches Magazin für Konfessionslose und AtheistInnen - widmet sich in ihrer – mit arger Verspätung ausgelieferten - Ausgabe 2/17 dem Schwerpunktthema „stimmen, abstimmen, mitbestimmen“. Darin werden die Bundestags-Wahlprogramme der relevanten Parteien „auf den Prüfstand gestellt“.


Bei der Zusammenstellung dieses Schwerpunktes hat sich die Redaktion, so Chefredakteur Christoph Lammers im Editorial, „...von folgenden Gedanken leiten lassen: Was ist nach den Bundestagswahlen von den im Parlament vertretenen Parteien hinsichtlich ihrer religionspolitischen Ausrichtung zu erwarten? Welche Möglichkeiten der politischen Gestaltung räumen diese Parteien den Konfessionslosen ein? In welchen Rahmenbedingungen bewegen sich die politischen Parteien?" (S. 1)

 

Lammers findet bereits hier deutliche Worte zu den aktuellen bundesdeutschen Verhältnissen und deren Widerspiegelung in der Parteipolitik. Abschließend konstatiert er: „Das offensichtliche 'Zerwürfnis zwischen einflußreichen Kreisen im linken Spektrum und den Säkularen' ist nicht mehr zu übersehen. Es gilt einmal mehr, aufzustehen und den Wenigen den Rücken zu stärken, die für eine aufgeklärte und selbstbestimmte, d.h. säkulare Gesellschaft kämpfen. In diesem Sinne, Geschichte wird gemacht!" (S. 3)

 

Anschließend gibt Gunnar Schedel mit „Was kommt nach der Wahl?" einen gestrafften (und wertenden) Überblick über die religionspolitischen Vorstellungen der Parteien, in deren Programmen zwar mehr oder weniger ausführlich über Religion, aber kaum oder gar nicht über Weltanschauungen und Religionsfreie (die ja bekanntlich mehr als ein Drittel der Wähler ausmachen) gesprochen wird. Auf Schedels ausführliche Analyse kann hier leider nicht eingegangen werden, diese sollte sich jeder selbst im Wortlaut vor Augen führen. Es mögen daher die Überschriften der einzelnen Abschnitte genügen, die allerdings durchaus schon aussagekräftig genug sind: „Die Grünen: Zahlreiche Anknüpfungspunkte" - Die Linke: Offensichtlich gespalten" - „SPD: Nichts zu bieten" - „FDP: Vage Positionen" - CDU: „Was zu erwarten war" - „AfD: Alles falsch durchdacht".

 

Ergänzt wird das durch zwei aufschlußreiche Kolumnen: „Steigbügelhalterin" von Gunnar Schedel über die Linke Christine Buchholz, die innerhalb ihrer Partei vehement gegen den Laizismus kämpft (S. 7) sowie „Wahlpüfsteine? Leistungsbilanz" von Gerhard Rampp (S. 14).

 

Es folgen drei Interviews mit säkular eingestellten Parteipolitikern: Mit dem langjährigen SPD-Bundestagsabgeordneten Rolf Schwanitz („Die Passivität vieler Konfessionsfreier schwächt die Durchsetzbarkeit ihrer Interessen"), mit dem Fraktionsvorsitzenden der Linken im Sächsischen Landtag („Wir brauchen einen Dialog mit den säkularen Verbänden") und mit dem engagierten „säkularen Grünen" Walter Otte („...wären wir in puncto Säkularität in Deutschland ein großes Stück weiter").

 

Politikerworte sind zumeist doch nur Schall und Rauch, deshalb soll man sie an ihren Taten messen, das meinte schon zuvor Gerhard Rampp. Und Taten wenden sich deshalb Frank Welker („Maaslose Zensur: Das Netzwerkdurchsetzungsgesetz und seine Folgen" - das „geeignet sei, die Religionskritik einer umfassenden Zensur zu untderwerfen"; S. 22) und Daniela Wakonigg („Katholikentag 2018: Farce um städtische Sachleistungen" in Münster) zu.

 

In einem gesonderten Beitrag stellt Gerhard Rampp die Frage: „Sterben die Scheinriesen aus?". Er geht darin auf die aktuelle Kirchenstatistik ein, die „die Krise der Volkskirchen unterstreicht". (S. 24)

 

Unter dem Stichwort „#Luderei 2017" und der Überschrift „Der Schritt in die ungeliebte Freiheit" schreibt Karsten Krampitz über den Protestantismus, genauer über den evangelisch-lutherischen Klerus und dessen Agieren, in der Weimarer Republik und im faschistischen Deutschland.

 

Ein Beispiel, wie die doch kleinen und zu oft untereinander zerstrittenen säkularen Organisationen, durchaus gemeinsam auftreten können, wird in einem Interview mit dem Thüringer HVD-Landesvorsitzenden Frank Roßner aufgezeigt: „Wie wir als Vereinigte Thüringer Ketzer Flagge zeigen". Horst Groschopp stellt danach die Frage: „Welcher Humanismus?" und antwortet darin auf Gunnar Schedels Artikel „Humanismus für alle" in der MIZ 1/17.

 

Erwähnenswert sind außerdem Daniela Wakoniggs Glosse „Neulich... in der Hostienbäckerei", die Rubriken „Zündfunke" und Rezensionen. Und natürlich die von Gerhard Rampp verantwortete „Internationale Rundschau" mit (teilweise kommentierten) Nachrichten aus der Europäischen Union, aus Deutschland, Belgien, Luxemburg, Österreich, Rußland, der Schweiz, aus Tschechien, Ungarn, dem Vatikan, aus Weißrußland, Kanada, den USA, aus Mexiko, Nicaragua, Ägypten, China, Israel, Malaysia, Saudi-Arabien und Australien.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

MIZ - das bedeutet Materialien und Informationen zur Zeit. Das Vierteljahresmagazin des IBKA (Internationaler Bund der Konfessionslosen und Atheisten) erscheint seit 1972 und kann über den Alibri-Verlag Aschaffenburg bezogen werden.

 



 
06.09.2017

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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