„Pfaffensud“: Es geschehen viele Zeichen, aber auch Morde

WEIMAR. (fgw) Andreas Schröfl hat jetzt mit „Pfaffensud“ den bereits fünften Band seiner „Sanktus“-Reihe vorgelegt. Allerdings ist das für den Rezensenten erst der erste Schröfl'sche Bierkrimi. Als Weintrinker hat er daher diesen Roman mit besonderer Neugier zur Kenntnis genommen. Aber – das Bier spielt hier nicht die wichtigste Rolle, vielmehr geht es um Delikte wie Sachbeschädigung und eine Mordserie im gutkatholischen München.


Neugierig machte den Rezensenten auch die Verlagswerbung, in der es eingangs u.a. heißt:

 

»Ist der Graffiti, bekennender Atheist, der Mörder, oder ist das ein weiteres Werk des Unbekannten mit der Luzifermaske, der in Internetbotschaften die Verfehlungen von Geistlichen, die Mißbrauchsdelike und die stockenden Diskussionen um den Zölibat und die Liberalisierung anprangert?«

 

Ja, in München geschehen merkwürdige Dinge, die man auch Zeichen nennen kann: In diversen „Gotteshäusern" werden die Wände mit Graffiti besprüht, konkreter mit Zitaten aus der Bibel. Und gleich darauf werden diese „Botschaften" in Verbindung mit einer Luzifermaske im Internet verbreitet. Unklar bleibt lange, ob es sich beim Urheber um einen Kirchenkritiker handelt? Denn die Auswahl der Zitate könnte ja auch auf fundamentalistische Sektierer hindeuten. Allerdings, zu Schaden kommt hierbei niemand und selbst die Sachbeschädigung ist minimal, denn der Unbekannte besprüht ausschließlich weiße Wände.

 

Just zu dieser Zeit soll Martina, die Stieftochter des Sanktus genannten Bierbrauers und Hobbydetektivs Alfred Sanktjohanser ihre Firmung erhalten. Zu diesem Fest ist auch dessen Freund Quirin Hirmsl, genannt „Graffiti" - ein überaus zwielichtiger Geschäftsmann, eingeladen. Und dieser erscheint auch, obwohl bekennender Atheist. Nebenbei, dieser „Grafitti" hat nichts mit den Graffiti in den „Gotteshäusern" zu tun.

 

Und während bzw. unmittelbar nach dem katholischen Ritus wird in einem von außen abgeschlossenen Nebenraum der Kirche der die Firmung vollziehende Abt Philipp Engelbert Praetorius erschlagen aufgefunden. Und zufällig befindet sich darin auch der „Graffiti". Es wird auch bekannt, daß es kurz zuvor zwischen beiden Männern einen heftigen Disput gegeben hat.

 

Natürlich wird dieser „Graffiti" sofort der Tat verdächtigt; ihm kann aber nichts bewiesen werden. Schon bald darauf kommt es zu weiteren Todesfällen unnatürlicher Art; und alle Getöteten gehörten ebenfalls dem Klerus an: Den Pfarrer Maximilian Aust findet man erhängt in seiner Kirche, während der Pfarrer Edmund Siebler erstochen und ertränkt worden ist. Und immer deutlichere Indizien verweisen auf den „Graffiti" als den Täter.

 

Die Polizei kann nicht anders, als gegen ihn zu ermitteln. Und da der „Graffiti" sich überaus merkwürdig verhält, verstärkt sich der Verdacht immer mehr. Der „Graffiti" ist aber unschuldig, das weiß der Leser. Nicht aber die Polizei und das Umfeld der Protagonisten. „Graffiti" ist sich sicher, daß ihm irgendjemand etwas, also gleich mehrere Morde, anhängen will. Aber warum bloß? Es könnte sich beim Urheber um eine abgelegte Liebschaft handeln oder um einen geschäftlichen Konkurrenten aus dem Rotlichtmilieu. So seine Vermutungen.

 

Währenddessen bekommt „Sanktus" Besuch vom Pfarrer Remigius Hintermeier, begleitet von Pfarrer Joseph Mbewu aus Südafrika. Sie bitten um des „Sanktus" Hilfe bei der Aufklärung der diversen Untaten in den Münchner Pfarreien. Der sagt auch zu. Einmal wegen seines Freundes, zum anderen wegen eines nervigen Langzeit-Besuches aus Dresden: Birthe, die unentwegt quasselnde Freundin seiner Ehefrau. Auch „Graffiti" hat Besuch. Denn plötzlich taucht eine Freundin aus der frühen Jugend auf und er entflammt in frischer Liebe.

 

Tja, und dann geht es Schlag auf Schlag. Die Graffiti-Aktion kann aufgeklärt werden, sehr zur Verblüffung der Allgemeinheit. Da sich die Indizien gegen den „Graffiti" immer mehr verdichten, taucht dieser auf abenteuerliche Weise unter. Nachdem er auf seine Weise mit den von ihm vermuteten Urhebern abgerechnet hat.

 

Klarer wird schließlich, daß die Morde an den drei Pfarrern etwas mit der Jugendzeit von „Graffiti" und dessen Jugendgang im Robin-Hood-Stil zu tun haben muß. Und der Mörder ist nun auf der Jagd auf ihn selbst. Es kommt zu weiteren Mordanschlägen, teilweise sogar mit Erfolg... Inzwischen aber haben auch der „Sanktus" und die Polizei erkennen können, worin das Mordmotiv besteht. Doch wer der Täter ist, das bleibt bis „fünf Minuten vor Zwölf" unklar. Und als dessen Identität endlich offen vor allen liegt, da ist die Verblüffung mehr als groß. Bei den Akteuren und nicht minder beim Leser!

 

Achso, warum dieser Krimi „Pfaffensud" benamst wurde, das soll sich der Leser selbst ergründen. Nur soviel: Es wird kein Pfarrer gesotten...

 

Was diesen Kriminalroman auszeichnet, ist weniger der Fall bzw. die Fälle an sich. Nein, das ist in erster Linie der eigenwillige, höchst amüsante Erzählstil mit den gar vielen falschen Weil-Sätzen. Dafür aber ist wohltuenderweise richtig von Zehennägeln die Rede und nicht wie heuer leider meist üblich von Fußnägeln. Die Krönung des Schröfl'schen Erzählstils ist aber das gekonnte Mischmasch diverser Dialekte, die die unterschiedlichsten Charaktere sprechen bzw. nuscheln: Münchner Bayerisch, Fränkisch, Dresdner Sächsisch, bantu-angehauchtes Bayerisch ebenso wie Indo-Bayerisch und schließlich auch noch das Weanerische... Passend dazu die köstlichen Spitznamen vieler Beteiligter und sogar einige Familiennamen, wie z.B. Zechbauer.

 

Alles in allem ein spannender Krimi, der dazu noch überaus vergnüglich zu lesen ist.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Andreas Schröfl: Pfaffensud. Bierkrimi. 316 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2021. 14,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2851-7

 

 

 

 



 
17.05.2021

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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