Sado-Masochismus und Humanismus – wie geht das denn?

WEIMAR. (fgw) Sado-Masochismus (SM) – wenn dieser Begriff für eine sexuelle Praktik erklingt, dann stellen sich auch heuer die unterschiedlichsten Emotionen ein. Nicht nur bei religiös-verklemmten Moralisten, sondern auch bei Menschen, die sich für aufgeklärt halten. Selbst in freigeistig-humanistischen Kreisen wird da der Stab gebrochen mit dem Stereoptyp: SM sei abartig und pervers, SM'ler seien menschenverachtend und frauenfeindlich etc. Und nun das: Bei einem Spaziergang durch Wiens 15. Bezirk entdeckt der Besucher eine Gedenktafel für Sacher-Masoch, der als Schriftsteller UND Humanist gewürdigt wird. Wie geht denn das an?


Ja, wie geht denn das zusammen? Diese Fragestellung ist vielleicht die wichtigste Folgerung beim oder nach dem Lesen der bewußten Gedenktafel.

 

Doch man sollte genauer hinschauen, denn auf der Tafel wird nicht des Namensgebers für bewußte Liebes- und Sexualpraktik gedacht, mit Vornamen Leopold. Die Rede ist hier von dessen Großneffen Alexander. Zu diesem kann man bei weiteren Recherchen erfahren:

 

Er war bereits in der sogenannten Zwischenkriegszeit Österreichs (also zwischen 1918 bis 1939) schriftstellerisch und journalistisch tätig - auf Seiten der politischen, antifaschistischen Linken. Nach dem Anschluß der Donau-Republik an das Deutsche Reich im Jahre 1938 mußte er emigrieren, er fand Zuflucht in Belgrad und wurde nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht interniert. Nach der Befreiung im Jahre 1945 war er wieder in Wien lebend der erste Chefredakteur der Kulturzeitschrift „Österreichisches Tagebuch". Er war auch Mitbegründer und erster Generalsekretär des österreichischen PEN.

 

Zu seinem Großonkel, dem Schriftsteller Leopold Ritter von Sacher-Masoch (1836 - 1895), soll an dieser Stelle nur dies gesagt sein: 1893 gründete er in Lindheim den „Oberhessischen Bildungsverein", der durch Bibliotheksgründungen, Vorträge, Theater- und Musikaufführungen dem Antisemitismus entgegenwirken sollte.

 

Allein dies begründet eine Charakterisierung auch dieses Mannes als Humanist.

 

Claudius Plawe

 

 



 
11.09.2015

Von: Claudius Plawe
 
 
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