Säkulare Tage in Leipzig angesichts des Katholikentages

WEIMAR. (fgw) Am heutigen Mittwoch beginnt in der sächsischen Metropole Leipzig der 100. Katholikentag. Diese Jubelfeier findet übrigens in einem Bundesland statt, in dem die Katholiken weniger als fünf Prozent der Einwohner ausmachen. Für Leipzig gilt analoges. Dennoch, oder wohl gerade deshalb fördern Bund, Land und Kommune diese eindeutige Missionierungsveranstaltung mit rund viereinhalb Millionen Euro. Nicht gegen den Katholikentag, wohl aber gegen die massive finanzielle Förderung aus öffentlichen Kassen hatten bereits in den Vorjahren die Kunstaktion „11. Gebot: Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen!“ sowie die Leipziger Regionalgruppe der Giordano Bruno-Stiftung (gbs) protestiert. Heuer richtet nun die gbs unter dem Motto „Trennt endlich Staat und Kirche“ in Leipzig eigene „Säkulare Tage“ aus. Zum katholischen Event und ihren Gegenveranstaltungen äußern sich die Leipziger gbs-Verantwortlichen wie folgt:


Oberbürgermeister hat sein Versprechen gebrochen -
keine Förderrichtlinie für Großveranstaltungen erarbeitet

Die von der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) getragene Kunstaktion „11. Gebot: Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen!" wirft Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) vor, sein Versprechen gebrochen zu haben, das er in der Ratsversammlung vom 17.September 2014 gab. Im Rahmen der Abstimmung über die Förderung des Katholikentags 2016 hatte die damalige FDP-Fraktion ihre Zustimmung von der Zusage abhängig gemacht, dass eine Förderrichtlinie für Großveranstaltungen erstellt werde. Dies sagte Jung auch zu - getan hat sich hingegen nichts.

 

Von der Stadt Leipzig und der FDP war kurzfristig nicht in Erfahrung zu bringen, ob eine Förderrichtlinie für Großveranstaltungen beschlossen oder in Arbeit sei. Hingegen bekräftigte Rüdiger Ulrich, Geschäftsführer der Stadtratsfraktion von der Partei DIE LINKE per Telefonanfrage, dass es bislang keine Entscheidung zu dieser gegeben hat und ihm auch keine Planungen dazu bekannt sind. Ebenso bezweifelte er Vorbereitungen zur Berechnung einer Umwegerentabilität von Seiten der Stadt.

 

Von der Fachförderrichtlinie erhoffte sich die FDP eine Versachlichung der Diskussion um die öffentliche Förderung von Großveranstaltungen. Hierzu müssten objektive Kriterien zur Bewertung der Förderfähigkeit erarbeitet werden. Nur bei positiver Umwegrentabilität hätten Großveranstaltungen danach über die Richtlinie Zuschüsse erhalten dürfen.

 

Genau hieran würden Kirchentage aber scheitern, ist sich David Farago vom „11. Gebot" sicher: „Die von den Veranstaltern vorgelegten und von den Stadtparlamenten meist unkritisch übernommenen Zahlen stellen eine Milchmädchenrechnung dar."

 

Doch Maximilian Steinhaus vom „11. Gebot" geht davon aus, dass man nie vor hatte, eine solche Richtlinie tatsächlich zu erarbeiten: „Es ging dem Bürgermeister offensichtlich nur darum, sich die Stimmen der FDP zu erkaufen, die er für seine Mehrheit im Rat brauchte. Ansonsten hätte man die ursprünglich beantragte Pflicht zur Erarbeitung der Richtlinie auch in den Ratsbeschluss aufnehmen können. Es bleibt unklar, weshalb die FDP-Fraktion sich mit dem bloßen Versprechen des Oberbürgermeisters begnügte."

 

David Farago ergänzt: „Der Ratsbeschluss sieht auch vor, dass nach Ende des 100. Katholikentag dem Stadtrat eine Aufstellung der direkt an die Stadt (inklusive der städtischen Unternehmen) zurückgeflossenen Mittel vorgelegt wird. Wir sind gespannt, ob der Oberbürgermeister wenigstens hieran ernsthaft interessiert ist."

 

„11. Gebot" wieder in Leipzig -
Gegenveranstaltung zum Katholikentag in der naTo

Die Aktiven werden vom 25. bis 28. Mai wieder in der Leipziger Innenstadt Bevölkerung und Presse Rede und Antwort stehen und auf das 11. Gebot hinweisen: „Du sollst Deinen Kirchentag selbst bezahlen!"

 

Ergänzt wird diese Kunstaktion durch eine Veranstaltungsreihe im soziokulturellen Zentrum „Die naTo e.V.": Unter dem Motto „Säkulare Tage - Trennt endlich Staat und Kirche!" wird die Leipziger Regionalgruppe der Giordano Bruno-Stiftung in acht Vorträgen auf zahlreiche Mißstände im „säkularen" Deutschland hinweisen, die trotz der formellen Trennung zwischen Staat und Kirche noch immer bestehen. Das vollständige Programm kann  hier nachgelesen werden.

 

Nachtrag:

Und das war gerade auf der Webpräsenz des mdr zu lesen:

>>Der sächsische Landesschülerrat hat die Schließung von mehr als 30 Schulen während des Katholikentags in Leipzig kritisiert. Vertreter des Landesschülerrates erklärten, weil die Unterrichtsräume für Übernachtungen genutzt würden, stünden nun Tausende Schüler ohne Klassenzimmer da. Es seien noch einige Abschlussprüfungen zu leisten. Doch sei eine religiöse Veranstaltung offenbar wichtiger als die Zukunft der Leipziger Schüler.<<

 

Daß solch klare Worte den Weg in den überwiegend als Kirchenfunk agierenden mdr gefunden haben, ist schon beachtlich angesichts der ansonsten unkritischen Jubelsendungen und -nachrichten/-kommentare. Ganz kommen die Damen und Herren dieses Senders wohl doch an der Stimmung unter ihren Zuschauern bzw. Zuhörern nicht vorbei.

 

 

(SRK)

 



 
25.05.2016

Von: SRK
 
 
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