Sport ist Mord? Sport ist vor allem Sportartikel-Geschäft!

WEIMAR. (fgw) Sibylle Narberhaus hat die nordfriesische Insel Sylt liebgewonnen. Aber weniger das Schicki-Micki-Biotop Kampen der „Reichen und Schönen“ aus der Yellow-Press. Nein, die Binnenländerin liebt die herbe und doch so vielfältige Natur dieser Insel. Und sie mag auch die einheimischen, bodenständigen dort Arbeitenden. Das merkt man auch ihrem nunmehr schon viertem Insel-Krimi „Syltwind“ deutlich an.


Im Mittelpunkt steht wiederum die Landschaftsarchitektin und Gartengestalterin Anna Bergmann, inzwischen verheiratete Scarren. Anna ist aber beileibe keine Hobby-Detektivin a la Agatha Raisin. Nein, sie ist vielmehr Beobachterin und Zeugin von Kriminalfällen. In die sie mitunter auch direkt verwickelt wird. Und seit sie mit Nick Scarren verehelicht ist, bekommt sie nun sogar indirekt mit dem Verbrechen auf Sylt zu tun. Denn Nick ist neben Uwe Wilmsen der zweite Kriminalist auf der Insel...

 

Die junge Frau genießt das schöne Wetter, denn die Eltern haben ihr zwei Geschenke gemacht: Zum einen sind sie mit Annas Sohn in Urlaub gefahren, zum anderen haben sie ihr einen Gutschein für einen Segelkurs überreicht. Doch aus letzteren wird vorerst nichts.

 

Gerade als der Kurs im Südhafen Hörnum beginnen soll, entdeckt man dort im Hafenbecken eine Leiche. Das ruft natürlich Nick und Uwe auf den Plan. Und nebenbei gilt es noch einen Einbruch aufzuklären. Den Einbruch in einen Material-Container für den bevorstehenden Kitesurf-Cup.

 

Wenn Anna also vorerst nicht das Segeln erlernen kann, will sie wenigstens ihre Firmen-Webseite aktualisieren lassen. In einer renommierten PR-Agentur bekommt sie sogar ausnahmsweise einen Termin. Allerdings soll den Auftrag eine frische Praktikantin, Juna, erledigen. Und Juna wiederum ist die Tochter eines Generalstaatsanwaltes, auf die Uwe Wilmsen aufpassen soll.

 

Die Identität des Toten kann bald festgestellt werden. Es handelt sich um einen arbeitslosen Butler, der zuvor beim Sportartikel-Unternehmerpaar Schröder in Kampen in Dienst gewesen ist. In der Wohnung des Butlers findet man einen größeren Geldbetrag. Woher stammt dieses Geld? Warum ist er entlassen worden? Welches ist das Motiv für diesen Mord?

 

Währenddessen ereignet sich bei den Surf-Wettbewerben ein Unfall. Einer der beiden Favoriten kann sein Gerät nicht mehr beherrschen. In einem dramatischen Einsatz kann ihn aber der zweite Favorit, der Einheimische Steen Larsen, retten. Doch dieser Unfall war kein unglücklicher Zufall, sondern ein Sabotageakt. Nun geraten Steen und sein Opa Onno ins Visier der Ermittler. Eigentlich nur ins Visier von Uwe Wilmsen, der partout keine andere Spur sehen will. Das mag daran liegen, daß sich seine Frau auf Kur befindet und er fürchtet, diese könnte sich dort anderweitig verliebt haben. Dieses Gefühlschaos beeinträchtigt fast bis zum Schluß seine kriminalistische Arbeit.

 

Und dann das! Schröders Frau Insa wird auf einem Parkplatz tot in ihrem Auto aufgefunden. Erschossen mit der eigenen Waffe! Was aber nach Selbsttötung aussieht, erweist sich jedoch bald als perfide geplanter Mord. Auch hier stellt sich wieder die Frage nach Täter und Motiv. Doch da will sich einfach nichts zeigen.

 

Bei einem Agenturtermin hat der Inhaber Anna an einen seiner Klienten vermittelt. Dieser will seinen Garten neu gestaltet haben. Als Anna mit ihrem Entwurf zu ihm fahren will, begegnet sie Juna und nimmt sie mit. Beim potentiellen Kunden angekommen, belauschen beide Frauen ein Gespräch. Der eine Mann spricht es deutlich aus, wer beide Morde begangen hat und warum. Und daß auch der Sabotageakt damit zusammenhängt. Durch eine Unachtsamkeit werden die beiden Frauen entdeckt, überwältigt und entführt. Nick und Uwe haben von alldem keine Ahnung. Doch dann beginnt ein Wettrennen um Leben und Tod. Auf der einen Seite hoffen Anna und Juna auf einen glücklichen Ausgang, zumal beide Entführer in Streit geraten sind. Auf der anderen Seite hat Nick doch noch einen Hinweis auf die Entführung bekommen. Aber nicht darauf, wohin die Entführer geflüchtet sein könnten.

 

Alles in allem stellt sich heraus, daß es bei allem um Geld, ums große Geschäft ging. Um das Geschäft mit teuren Sportartikeln. Da arbeiten die Konkurrenten mit unlauteren Mitteln und auch Dritte haben sich da - z.B. als Erpresser - eingeschaltet. Zumal ja fast jeder der sogenannten Leistungsträger ein dunkles Geheimnis hat.

 

Das alles hat Sibylle Narberhaus nicht nur spannend erzählt, sondern auch flüssig und bildhaft beschrieben. Wer schon mal auf Sylt war, der erkennt sofort Landschaften und Stimmungen, Plätze und Wege, Wind und Wellen wieder. Und es ist gut, daß die Autorin Anna nicht als Hobbydetektivin agieren läßt. Sondern auf liebenswürdige und liebenswerte Weise als unglücklich Involvierte in die Kriminalfälle. Aber als eine wache Beobachterin, die auf logisch-analytische Weise zwei und zwei zusammenzählen kann.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Sibylle Narberhaus: Syltwind. Kriminalroman. 314 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2020. 14,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2757-2

 



 
17.08.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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