Sternenflammen ohne einen Funken menschlicher Wärme

WEIMAR. (fgw) In schneller Folge hat der Drachenstern-Verlag mit „Sternenflammen“ bereits die vierte Anthologie von deutschen Science-Fiction-Kurzgeschichten vorgelegt. Doch wie schon die vorhergehenden Bände konnten auch diese „stories“ den Rezensenten – als alten Liebhaber des Genres – nicht überzeugen. Obwohl die Verfasser derselben durchaus über erzählerisches Talent verfügen. Aber den Geschichten fehlt im Grunde einfach Wesentliches...


Die hier vorzustellende Anthologie vereint 14 Kurzgeschichten aus der Feder von neun Männern und fünf Frauen. Zehn von ihnen stammen aus westdeutschen Landen, zwei aus ostdeutschen und zwei aus Österreich. Die beiden jüngsten Autorinnen sind 1997 geboren, die älteste im Jahre 1960. Die Geburtsjahre der Männer liegen dazwischen.

 

Sie alle wollen ein Bild davon vermitteln, wie sie sich die Zukunft vorstellen. Überwiegend schweifen die Geschichten in die Ferne, also ins Weltall. Mal an Bord von Raumschiffen, mal sogar auf die Oberfläche anderer Planeten... Die Figuren sind Forscher, sind Abenteurer. Und nicht immer vernunftbegabt. Vor allem wenn es um Begegnungen mit anderen Lebensformen geht.

 

Oft werden die Helden Terraner genannt - die zukünftige Erde scheint also nicht mehr in unzählige Staaten gespalten zu sein. Dennoch kommt Kosmopolitisches, Universelles nicht vor. Sind doch die Akteure ausschließlich europäischer oder nordamerikanischer Herkunft. Chinesen, Inder, andere Asiaten, Afrikaner, Lateinamerikaner kommen nicht ein einziges Mal vor! Dabei stellen doch die Menschen des Trikont bereits heute mehr als drei Viertel der Erdenbewohner...

 

Wie unsere Zukunft wirklich aussehen könnte, das bleibt nicht nur vage. Das spielt leider keine Rolle. Es bleiben einfach zu viele Fragen: Kann es gelingen, die kapitalistische Produktionsweise zu überwinden? Wie leben konkret auf der Erde ganz normale Menschen, die nicht in Bereichen wie Abenteuer, Forschung, Technologie tätig sind? Wie können zwischenmenschliche Beziehungen, einschließlich der „Familie" - also differenzierter Lebens- und Liebensweisen - aussehen? Was könnte Menschen motivieren, die sich nicht der Erforschung anderer Galaxien verschreiben wollen? Und müssen Begegnungen mit außerirdischen Lebensformen immer nur von Ignoranz und/oder Aggressivität geprägt werden? Es fehlt in den äußerlich flammenden Geschichten menschliche Wärme, es fehlt an humanistischen Funken.

 

So begegnet dem Leser deshalb vor allem nur eine ent-menschte, eine sogar inhumane Welt. Nur selten garniert mit einer Prise Hoffnung.

 

Eine löbliche Ausnahme bildet da allein Kornelia Schmids (1993 in Regensburg geb.) Erzählung „Der letzte Splitter Farbe". Hier schimmert durch, wie kapitalistische Ausbeutung von Natur und Mensch, wie Kolonialismus (!) real aussieht. Zwar geht die Protagonistin elendig zugrunde, doch sie hat die Hoffnung, daß die kolonial Ausgebeuteten differenzieren können zwischen denen da oben und denen da unten auf der Gegenseite. Und auch die Hoffnung, daß vielleicht dereinst die kapitalistischen Verbrechen (technologische u.a. Errungenschaften wurden vor allem mit unzähligen Toten „erkauft") aufgedeckt werden können.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Petra Mattfeldt und Burkhard Bierschenck (Hrsg.): Sternenflammen. Science-Fiction-Stories. 184 S. Taschenbuch. Drachenstern-Verlag - Imprint des Bookspot-Verlags. Planegg 2018. 9,99 Euro. ISBN 978-3-95669-092-1

 



 
02.10.2018

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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