»Sternenlicht und Katzengold« - Gedichte von Aramesh

WEIMAR. (fgw) In der P&L-Edition des Bookspot-Verlags ist in diesem Frühjahr eine Lyrik-Anthologie aus der Feder von Aramesh erschienen. Das persische Wort Aramesh bedeutet Seelenfrieden und ist das Pseudonym von Barbara Naziri.


Barbara Naziri ist die Tochter einer deutsch-dänischen Mutter und eines iranischen Vaters. Über sich selbst sagt sie auf ihrer Webseite barbara-naziri.hpage.com:

 

„Jeder Mensch nimmt seinen Platz im Leben ein. Ich habe erst spät begriffen, worin meine Aufgabe liegt, bis ich erkannte, ich kann eine Brückenbauerin sein, eine Brückenbauerin zwischen den Kulturen. Mein Elternhaus war iranisch-jüdisch geprägt und ich bin in Norddeutschland aufgewachsen. Darum bezeichne ich mich gern selbst als eine Pflanze mit yiddischen Wurzeln in persischer Erde, Blütestandort Norddeutschland. Ich entstamme einem sehr liberalen Elternhaus. Religion spielte eher eine unbedeutende Rolle. Ich lernte, Menschen nicht an ihrem Status oder Titeln zu messen, sondern ihre inneren Werte zu erkennen und zu schätzen. So schaue ich in die Herzen der Menschen, denn Liebe öffnet ihre Türen und verbindet uns miteinander."

 

Dieses Credo widerspiegelt sich in der vorliegenden Anthologie, die rund 280 Gedichte in sechs Komplexen vereint. Es sind Gedichtte vielfältigster Art und unterschiedlicher Länge: Da finden sich relativ viele Vierzeiler, etliche viele mehrstrophige und sogar einige vielstrophige Texte. Die durchaus bild- und bilderreiche Sprache wird mit den Illustrationen von Schirin Khorram kongenial vertieft. Diese in Oldenburg aufgewachsene Künstlerin stammt wie Barbara Naziri aus einer iranisch-deutschen Ehe.

 

Die sechs Komplexe sind überschrieben mit „Liebe", „Wurzeln", „Begegnungen", „Natur" und „Humor". Diese Titel sagen eigentlich schon alles. Auf überaus poetische Weise, einfühlsam und feinsinnig beschreibt die Lyrikerin hierin menschliche Beziehungen und Zuneigungen, genau solcherart widmet sie sich Jahreszeitlichem, Landschaftlichem, der Fauna und Flora. Hierauf soll aber nicht näher eingegangen werden.

 

Dem Rezensenten ist insbesondere der vorletzte Komplex, „Politik", wichtig. Hier arbeitet sich Barbara Naziri erfreulicherweise weniger an den Zuständen im Iran oder am „Islam" ab. Das unterscheidet diesen Band positiv von den vielen oberflächlichen „islamkritischen" Pamphleten hierzulande. Wichtig sind ihr vor allem Werte wie Humanismus, Solidarität, Emanzipation, der Kampf gegen Kriege, Ausländerfeindlichkeit und Faschismus. Es zeichnet die Autorin aus, daß sie sich nicht bundesdeutschen Sprachregelungen unterwirft, sondern den Faschismus wie ebenfalls den Kapitalismus auch beim Namen nennt.

 

Aus einigen dieser Gedichte soll an dieser Stelle kommentarlos zitiert werden, sind doch die darin getroffenen Aussagen eindeutig:

 

„Massenverblödung

...Schon jubelten Lobbyisten;

man sah sie die Sektkelche heben,

dazu der Gesang der Faschisten,

sie bestimmten jetzt unwertes Leben.

Es kriechen die Panzer gen Osten,

wo manche Ressource versteckt.

Der Krieg wird für Wirtschaftskosten

mit Opfern der Toten gedeckt..." - 2015 (S. 180)

 

 

„Leitkultur

Gar manchen ist sie eine Bürde,

die Leitkultur - man spricht von Würde,

wenn so ein Zwerg im Parlament,

sie wieder mal beim Namen nennt

und von der Menschheit Gütern spricht,

sei achtsam, glaub ihm einfach nicht..." - 2009 (S. 181)

 

 

„Unser Erbe

...Kriegsgeschäfte sind vonnöten;

was noch atmet und sich regt,

läßt man durch die Waffe töten,

damit nichts im Wege steht.

Menschen in der Politik

sind korrupt und machtbesessen

und es lügen mit Geschick

selbst die Priester in den Messen..." - 1988 (S. 185-186)

 

 

„Unverwüstlich

...'Wir sind hier in der Überzahl,

drum hast Du keine Wahl.'

Am Rand der deutsche Biedermann

sieht alles aus der Ferne an

und applaudiert im Innern still,

weil er die Fremden auch nicht will.

(...)

Im feinen Anzug kultiviert,

da hetzt sich's ungeniert.

Faschismus, diese braune Macht,

sie kam nicht einfach über Nacht,

war immer da und stets bereit

und wartete auf ihre Zeit.

Ist diese Ära wieder da?

Deutschland - HURRA..." - Herbst 1992 (S.187-188)

 

 

„Vom Mauerbau

...'Wir sind das Volk!' klingt es unverhohlen

des Nachts auf den Straßen, haßerfüllt,

den Arm erhoben zu braunen Parolen,

den Mund verzerrt, der zügellos brüllt..." - 1990 (S. 194)

 

 

„Kerzenschein-Moral

Da stehen Wohlstandsdemokraten,

sie halten fest an ihrem Geld,

die Menschlichkeit so leicht verraten,

geschachert um den Rest der Welt.

In ihren Händen brennen Kerzen,

doch Finsternis in ihren Herzen.

(...)

So mancher Fremde stirbt im Feuer,

die feigen Mörder läßt man rennen.

Betroffenheit, die ist nicht teuer -

laßt ruhig die Kerzen weiter brennen...

Ach, ausgelöscht sind eure Kerzen,

ich frag nicht mehr nach euren Herzen." - 1991 (S. 200)

 

 

Kirchenkritisch wird es auch mitunter, siehe:

 

„Das fremde Kind

Ein Kindlein wurde uns geboren

im fernen Orient.

In Silberblau erscheint sein Stern

so hell am Firmament.

(...)

Obwohl er nur ein Jude war,

malt man ihm blaue Augen

und auch sein rabenschwarzes Haar

blondiert mit gelben Laugen..." (S. 210-211)

 

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Barbara Naziri: Aramesh Sternenlicht und Katzengold. Gedichte mit Illustrationen von Schirin Khorram. 256 S. Klappenbroschur. P&L-Edition im Bookspot-Verlag. Planegg 2020. 14,80 Euro. ISBN 978-3-95669-145-4

 



 
01.06.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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