Sylvia Kling: „Was von mir bleibt“ - Gedichte 2009 bis 2019

WEIMAR. (fgw) Der Bookspot-Verlag hat ganz aktuell in seiner P&L-Edition eine Anthologie mit Gedichten der Dresdnerin Sylvia Kling (geb. 1967) veröffentlicht.


Der Rezensent ist zwar kein Kenner bzw. Spezialist für Lyrik, dennoch hat er diesen Band mit Interesse zur Kenntnis genommen. Sylvia Klings Dichtungen sind in ihrer formalen Art nicht einheitlich, sondern äußerst vielgestaltig: Mal nur vier Zeilen lang, mal sogar sich über zwei ganze Seiten erstreckend. Mal sparsam in den Worten (aber keinesfalls wortkarg), dann mitunter wie Prosa geschrieben.

 

Und wie bei Lyrik fast immer üblich, steht auch bei Sylvia Kling die Liebe thematisch im Mittelpunkt: da wird Hoffnungen und Ängsten, wird Freuden, Enttäuschungen und Abschieden Ausdruck gegeben und das auf eine sehr feinfühlige Weise. Breiten Raum nehmen auch (eigene?) Depressionserfahrungen ein; dazu viel Melancholisches und sogar „Trauerarbeit".

 

Ein weiteres weites Feld nicht nur ihrer Lyrik sind die Natur, die Lebensumwelt (Heimat) und sehr viel Jahreszeitliches.

 

Aber - und das ist eigentlich das Besondere: Sylvia Kling bleibt bei solchen Themen nicht stehen, sondern sie wendet sich in ihren Texten nicht minder intensiv und vor allem kritisch gesellschaftlichen Problemen des Hier und Heute zu. Da geht es um das immer noch glimmende Erbe des deutschen Faschismus, da geht es um den immer wieder bedrohten Frieden, um die immer stärker werdende Kriegsgefahr. Leider bleibt sie hier bei den Erscheinungen stehen, dringt sie nicht zu den Ursachen für Kriege, Fremdenfeindlichkeit und -haß vor. Dennoch sind ihre Aussagen klar und sollen warnen, aufrütteln.

 

Deutlich wird ihre Sozialkritik vor allem im Gedicht mit dem langen Titel „Der Deutsche im empathischen Wohlstandsmodus" (S. 149-150). Gleich in der ersten Strophe heißt es:

 

„Wir schimpfen Hartz-IV-Empfänger faul

und stopfen der Armut mit Tafeln das Maul.

Wir loben den Fortschritt, jede neue App,

das Smartphone macht fehlende Bildung wett."

 

Sylvia Klings Gesellschaftskritik schließt - das muß besonders hervorgehoben weil, weil hierzulande leider kaum verbreitet - die Religions- und Kirchenkritik (Christentum) ein. So heißt es in der elften Strophe des erwähnten Gedichtes ebenfalls sehr deutlich:

 

„Die Kirche legt alles in Gottes Hand

und setzt die Gebote in den Sand.

Sie predigen Wasser und trinken Wein.

Im Paradies ist schließlich auch Sonnenschein."

 

Um Sinn- und Glaubensfragen (S. 133 bzw. S. 76) sowie um Philosophisches geht es noch in einigen anderen Gedichten. Wer über den Menschen und Menschliches nachdenken möchte, der findet in dieser Anthologie dafür viele Anstöße; feinfühlig und tiefsinng, aber in keiner Zeile plakativ. Passend dazu die Umschlaggestaltung aus des Verlegers Burkhard P. Bierschenck künstlerischer Hand.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Sylvia Kling: Was von mir bleibt. Gedichte von 2009 - 2019. 264 S. Klappenbroschur. Edition P&L im Bookspot-Verlag. Planegg 2019. 12,95 Euro. ISBN 978-3-95669-130-0

 

 

 



 
22.08.2019

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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