Thüringen-Krimi: Wer schießt denn da mit einer Armbrust?

WEIMAR. (fgw) Daß der 1951 im vogtländischen Reichenbach gegründete Verlag für Ansichtskarten und Kalender „Bild und Heimat“ seit einigen Jahren auch belletristische Bücher herausgibt, das war dem Rezensenten bis vor wenigen Wochen nicht bekannt. Nur durch Zufall stieß er auf die Verlagswerbung für dessen Krimis. Im Sortiment auch Heike Köhler-Oswalds Debüt-Roman „Mörder lauf Galopp“ aus dem Jahre 2016.


Schauplatz des Geschehens ist das nördlich von Jena angesiedelte fiktive Dorf Kleinroda. Hier betreibt die junge, aber bereits verwitwete, Leonie eine Pferdepension. Eines Tages findet sie zwei ihrer Pferde angeschossen vor, angeschossen mit Armbrustpfeilen. Da sich in der Gegend seit längerem Tierquälereien ereignen, fällt der Verdacht sofort auf einen solchen, aber unbekannten, Täter. Auf dem Hof lebt seit einiger Zeit auch ihre beste Freundin Paula, eine Kriminaloberkommissarin aus Jena, die derzeit aber Dienst im ländlichen Polizeiposten schiebt. Doch Paula kann ihrer Freundin nicht helfen, da sie nach Jena beordert worden ist, um Kriminalhauptkommissar Tom Gerlach bei der Aufklärung mehrerer Holzdiebstähle großen Stils zu assitieren. Also wird Paulas junger Kollege, Polizeimeister Jan Weinreich, beauftragt, sich um Leonies Problem zu kümmern. Die jedoch ist von ihrer Freundin enttäuscht und ruft auf eigene Initiative eine dörfliche Bürgerwehr ins Leben.

 

Bereits in der ersten Nachtwache kommt Bauer Horst Pfeifer ums Leben, getötet durch Armbrustpfeile. Schnell fällt der Verdacht auf Pfeifers Sohn Andreas, der schon lange als Tierquäler bekannt ist. Doch warum sollte er seinen Vater getötet haben? Andreas flieht, wird aber schon bald im Wald erhängt aufgefunden. Da der scheinbare Selbstmord in Wirklichkeit Mord ist, berühren sich beide Handlungsstränge (Armbrustschießen und Holzdiebstähle) immer mehr. Paula und Tom ermitteln nun in beiden Fällen. Immer einbezogen auch Jan, der inzwischen über beide Ohren verliebt für Leonie schwärmt. Frühzeitig ins Spiel kommt dann noch der Förster Hannes König, der den Kriminalisten sehr behilflich ist.

 

Die Ermittlungen bringen zutage, daß das erste Mordopfer, Bauer Pfeifer, alles andere als ein angenehmer Zeitgenosse war, der sich mit fast allen Dörflern angelegt hatte durch über-Nacht- Kündigungen von Pachtverträgen und nötigende Kaufverträge von Grundstücken. Der dazu in viele andere unsaubere Geschäfte involviert war. Und dann noch dies: Auch sein Holz wurde in Größenordnungen gestohlen. Was also ist das Motiv für den Mord am alten Pfeifer? Und warum mußte auch dessen Sohn elendig sterben? Fragen über Fragen, doch erst eine Gemeinderatssitzung, an der Leonie teilnimmt, bringt Tom und Paula nebst Förster König auf die richtige Spur. Fest steht nur, die Schüsse auf die Pferde waren kein Selbstzweck, sondern nur Test für Schüsse auf Menschen. Was nun aber haben Holzdiebe und Mörder miteinander zu schaffen? Schließlich kommt es noch zu einer rasanten Verfolgungsjagd...

 

Heike Köhler-Oswald ist gelernte Technische Zeichnerin und arbeitete später einige Jahre als Verwaltungsangestellte an der Weimarer Bauhaus-Universität. Als Fünfzigjährige legte sie ihr erstes Buch vor - gleich einen Krimi, dessen Handlung den Leser durchaus mitreißend zu fesseln vermag: einerseits durch eine realitätsbezogene Geschichte, andererseits durch das doch etwas komplizierte Liebesleben der beiden Heldinnen. Vor allem aber lebt das Buch durch die lebensecht gezeichneten skurrilen dörflichen Charaktere, wobei selbst Hauptkommissar Gerlach mit seinem Cowboy-Stiefel-Spleen durchaus als skurril bezeichnet werden kann.

 

Die Geschichte selbst ist gut aufgebaut, sieht man von einigen Schnitzern ab, die durch ein besseres Lektorat hätten vermeiden werden können. Das schmälert das Schmökern jedoch nicht, ist doch dieser seriöse Krimi nicht bloß spannend, sondern insbesondere sehr amüsant zu lesen.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Heike Köhler-Oswald: Mörder lauf Galopp. Ein Thüringen-Krimi. 156 S. Paperback. Verlag Bild und Heimat. Berlin 2016. 9,99 Euro. ISBN 978-3-95958-044-1

 



 
25.06.2017

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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