Tibet: Zwischen Tatsachen, Mythen und Propagandalügen

WEIMAR. (fgw) Nur wenige Monate nach Albert Ettingers "Freies Tibet? - Staat, Gesellschaft und Ideologie im real existierenden Lamaismus" hat der Frankfurter Zambon-Verlag nun auch dessen Buch "Kampf um Tibet - Geschichte, Hintergründe und Perspektiven eines internationalen Konflikts" publiziert. Der gebürtige Luxemburger Ettinger will mit diesem Band nicht nur hinter die Kulissen des Lamaismus schauen, sondern vor allem einen Beitrag leisten, der "im Westen" verbreiteten Ignoranz über Hintergründe und Ursachen des Tibet-Konflikts argumentativ und quellenbasiert Paroli zu bieten.


Denn es sei gerade diese Ignoranz, so Ettinger, die den Humus bilde, auf dem seit gut 60 Jahren antichinesische Vorurteile, esoterische Dalai-Lama-Klischees und lamaistische und "westliche" Propagandalügen wuchern konnten und in Europa und Nordamerika tiefe Wurzeln geschlagen haben. Um nicht selbst der Propaganda für die Volksrepublik China beschuldigt zu werden, hat der Autor für seine Analysen fast ausschließlich Quellen der Pro-Tibet-Lobby, von europäischen Zeitzeugen und von US-amerikanischen Militärhistorikern und CIA-Agenten herangezogen.

 

Den durchaus sprechenden Titeln der 33 Kapitel dieses Buches hat Ettinger, wie bereits im vorhergehenden Band, unkommentierte Zitate aus den oben erwähnten Quellen vorangestellt. Diese Zitate sollen seine eigenen Ausführungen aus verschiedenen und oftmals gegensätzlichen Blickwinkeln beleuchten bzw. ergänzen. Dank der sprechenden Titel kann weitgehend auf nähere Inhaltsangaben verzichtet werden.

 

Und so lautet auf Seite 11 das erste Zitat des ersten Kapitels "Viele Fragen, und bitte keine vorschnellen Antworten!" so: "Über Tibet gab es damals für mich bloß absolute Gewißheiten: Die chinesischen Kommunisten waren in ein unabhängiges Land eingefallen; sie zerstörten sechstausend Klöster und töteten 1,2 Millionen Menschen - eine genaue Zahl, ein Fünftel der Bevölkerung." (Patrick French, einst führender Free-Tibet-Aktivist) Aber solche "absolute Gewißheit" geistert noch heute gerade in bundesdeutschen Medien herum, insbesonders in den Medien, bei grünen Politikern oder bei Agitatoren wie Franz Alt herum. Niemand hinterfragt solche Zahlen... Oder befragt gar die Geschichte. Fragen allerdings werden gestellt. Aber nicht von der Free-Tibet-Szene, sondern von Albert Ettinger. Nicht auf alle kann hier eingegangen werden, auch nicht auf alle gefundenen Antworten.

 

Worum es wirklich bei der geheuchelten Tibet-Sympathie "des Westens" geht, das wird u.a. auf der Rückseite angedeutet. Dort heißt es:

 

"Am 23. Mai 1991 verabschiedete der US-amerikanische Senat erstmals eine Erklärung, in welcher 'Tibet' als 'ein besetztes Land' bezeichnet wurde. Wenn man bedenkt, daß die kaiserlich-chinesischen Ambane in Lhasa bereits mehr als ein halbes Jahrhundert (mit-)regierten, bevor überhaupt die USA aus der Taufe gehoben wurden, und daß ein Großteil des Territoriums der USA erst viel später, im Laufe eines langen Prozesses, durch Eroberung, Krieg, Betrug, Vertragsbruch und Völkermord an den native americans, annektiert wurde, so wird einem die Vermessenheit und Unverschämtheit (oder aber: Lächerlichkeit) einer solchen Erklärung deutlich..."

 

Ja, worum geht es "dem Westen" wirklich und warum gab es erst 1991 eine solche US-Senats-Erklärung? Weil eben ab jener Zeit das Wiedererstarken Chinas, der ältesten und größten Kulturnation, begann. Diesen Wiederaufstieg, der nach der Zerschlagung der Sowjetunion als bis dahin zweiter Weltmacht die totalen Weltherrschaftsansprüche der USA bedrohte, galt es zu verhindern. Es galt, ein China, das kein halbkoloniales Ausbeutungsobjekt christlich-weißer Eroberer sein wollte, zu schwächen, zu spalten. Das alte China bis 1949 und auch die frühe Volksrepublik bis in die 1980er Jahre waren entweder zunächst halbkolonial bzw. danach wirtschaftlich und politisch schwach. Und was hat den christlich-weißen Kolonialherren stets geholfen? Das Schüren von ethnischen und/oder religiösen Konflikten in den anvisierten Zielobjekten...

 

Blick in die Geschichte

Ettinger unternimmt zunächst einen Streifzug durch die Geschichte der geographischen Region, die wesentlich größer ist als das einstige Herrschaftsgebiet des Dalai Lama. Immer mit Bezug zur chinesischen Zentralmacht, aber auch zu den Intentionen der in Indien herrschenden britischen Kolonialmacht, die stets danach trachtete, ihr eigenes Gebiet auf Kosten Chinas zu vergrößern. Die Kapitelüberschriften zu diesem Komplex lauten: "Geschichtsschreibung und Journalismus zwischen Tatsachen, Mythen und Propagandalügen"; "Vor mehr als tausend Jahren: Chinesische Kultur für ein Reich barbarischer Krieger" und "Gemeinsame Geschichte: Die Mongolen-, Ming- und Mandschukaiser [Chinas; SRK]". Letzterem Kapitel ist ein Zitat des ersten britischen Tibetreisenden George Bogle aus dem Jahre 1775 vorangestellt:

 

"Zwei chinesische Vizekönige mit einer Wache von 1000 Soldaten sind in Lhasa stationiert und werden alle drei Jahre durch andere ersetzt. Der Kaiser von China wird als der Oberherr des Landes anerkannt; die Ernennungen zu den höchsten Ämtern (...) geschehen auf seinen Befehl." (S. 27)

 

So wie übrigens auch der Kaiser des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" Oberherr/Lehensherr der weltlichen und geistlichen Territorialfürsten seines Reiches war...

 

Der Streifzug durch die ältere Geschichte geht weiter mit den Kapiteln "Der 'chinesische Kuchen' auf dem Speiseplan gefräßiger Kolonialmächte" sowie "Die tibetische 'Unabhängigkeit' als Projekt des British Empire".

 

Mit der Neuzeit ab Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert, also der Zeit angeblicher Unabhängigkeit Tibets, befassen sich die folgenden Kapitel "Der 13. Dalai Lama, Tyrann von Lhasa"; "Gescheiterte 'Modernisierung', gescheiterter Staat: Tibet unter dem 13. Dalai und seinen Nachfolgern"; "Drei rostende Autos, Dudelsäcke und von Hand gedrucktes Spielgeld"; "Nach dem Dreizehnten: Intrigen, Verbannungen und ausgequetschte Augäpfel"; Lamaistische Raffgier und Sittenlosigkeit: Seine Heiligkeit Reting Rinpoche"; "Bürgerkrieg in Lhasa: von politischen Morden, kriegerischen Möchen und einem geplünderten Kloster"; "Retings wichtigster Nachlaß: Ein chinesischer Dalai Lama" sowie "Die 'tibetische Handelsmission': Großbritannien und USA verweigern dem Lama-Staat die internationale Anerkennung" [Denn damals war ja in China die mit den USA verbündete Guomindang-Partei an der Regierung, für die Tibet ein untrennbarer Bestandteil des chinesischen Staates war; SRK]. Erst mit dem Sieg der Kommunistischen Partei im chinesischen Bürgerkrieg änderte sich der US-Standpunkt... Zunächst aber noch verdeckt.

 

Mit der Lage in China nach dem Ende des Bürgerkrieges und der Ausrufung der Volksrepublik am 1. Oktober 1949 befassen sich die folgenden Kapitel. Wenn in Bezug auf Tibet in chinesischen Dokumenten immer wieder von "friedlicher Befreiung" die Rede ist, so gilt solches auch für andere chinesische Provinzen und nicht nur für Tibet, was hierzulande fast unbekannt ist: denn nicht in allen Provinzen gab es bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen zwischen Guomindang und Kommunistischer Partei, in einigen übergaben die lokalen Behörden die Macht ohne Kämpfe. Und für alle der seit einigen Jahrzehnte abgefallenen Provinzen (einschließlich der von "warlords" beherrschten) galt es, die Macht der Zentralregierung über das ganze Land wiederherzustellen. Dabei ging der Volksregierung differenziert vor; unter Beachtung der jeweiligen regionalen Verhältnisse.

 

Das Kapitel 15 "Über eine Armee neuen Typs, Kommunistenangst und 17 Punkte als Grundlage einer 'friedlichen Befreiung'" wird mit einem Zitat der französischen Tibet-Reisenden und Zeitzeugin Alexandra David-Néel eingeleitet:

 

"Sie [die Chinesen; SRK] sind viel mächtiger zurückgekehrt, als sie es vorher waren. Während ihres Marsches durch die tibetischen Gebiete und Ortschaften wurde kein Schuß auf sie abgefeuert, und oft wurden sie freudig begrüßt. Die Ausländer, die das Los einer Bevölkerung beklagten, die einer schändlichen Aggression zum Opfer gefallen sei, waren denkbar schlecht informiert." (S. 121)

 

Ettinger geht in diesen und den folgenden Kapiteln sehr detailliert auf Abläufe, Standpunkte und Verhandlungen ein sowie auf die ersten behutsamen Reformschritte der Zentralmacht, die für eine Übergangszeit die gesellschaftlichen Verhältnisse akzeptierte: also die lokale Regierung durch weltlichen und klerikalen Adel, der Verzicht auf eine sofortige Bodenreform und das vorläufige Weiterbestehen von Sklaverei und Leibeigenschaft. Denn Mao Zedong und seine Genossen waren sich bewußt, daß unter den tibetischen Verhältnissen - mit einem fast vollständigen Analphabetismus und ohne jegliche Industrie - ein schneller oder gar sofortiger Übergang in sozialistische Verhältnisse unmöglich war. Aber schon damals spielten die führenden Lamas ein doppelzüngiges Spiel und stifteten Unruhe und Verwirrung, behinderten jeglichen kleinen Schritt in die Moderne.

 

Die entsprechenden Kapitel lauten daher auch: "'Winds of Change - Von Reformansätzen, politischen Flitterwochen und vergessenen Liebesgedichten"; "Hunger, Wirtschaftsboykott und ein tibetischer Ku-Klux-Klan - reaktionäre Kreise hintertreiben das 17-Punkte-Abkommen" sowie "Das frühe Exil, die 'heilige Familie' und der reiche Onkel aus Amerika".

 

Von den USA gesteuerter "Volksaufstand"

In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre, als klar wurde, daß die Volksrepublik China Bestand haben würde und daß sie es mit Reformen (Reformen, die diesen Namen auch verdienen) auch in den Gebieten der nationalen Minderheiten ernst machen würde, kulminierten die Destabilisierungsbestrebungen der USA ein erstes Mal, wuchs die Konspiration von Lama-Adel und CIA. Konterrevolutionäre bewaffnete Aktionen begannen aber nicht im eigentlichen Tibet, sondern in von Tibetern bewohnten Gebieten anderer Provinzen. Ettinger zitiert dazu den US-Autor A. Tom Grunfeld:

 

"Jedenfalls war die Rebellion in keiner Weise ein Volksaufstand der Leibeigenen und Hirten. Sie wurde von Clanführern und reichen Händlern begonnen und angeführt, die durch Kontakte mit bestimmten Kräften zweifellos von außen ermutigt, wenn nicht insgeheim unterstützt wurden." (S. 173)

 

Die betreffenden Kapitel sind überschrieben mit: "Khampa-Aufstand: Aus Räubern und 'Gotteskriegern' werden 'Freiheitskämpfer' der CIA" und "Lhasa 1959: Khampas und CIA inszenieren einen 'Volksaufstand' und bringen den Dalai Lama außer Landes".

 

Vor allem auf US-Quellen gestützt, zeichnet Ettinger fast minutiös, detail- und faktenreich die Ereignisse jener Zeit nach. Mit der von außen veranlaßten und keinesfalls spontanen Flucht des Dalai Lama begann die "westliche Propagandamaschine" auf Hochtouren zu laufen, wurden die schlimmsten (und frei erfundenen) Gräuelmärchen über die "kommunistischen Aggressoren" und "Völkermörder" in die Welt gesetzt. Ettingers Buch liefert hierfür etliche Kostproben. Und kein angeblich so investigativer Journalist fragte nach oder zweifelte an den blutrünstigen Behauptungen der adligen "Volksaufständischen"... All das wird bis heute als unumstößliche Tatsachen verkauft und immer wieder aufgewärmt und sogar noch weiter aufgebauscht. Die von Ettinger aufgeführten Beispiele der Free-Tibet-Propaganda, einschließlich der von diesen behaupteten Opferzahlen, machen nicht zuletzt deutlich, wie sorglos in diesen Kreisen mit Fakten und der Wahrheit umgegangen wird.

 

Vielfach wird in der Free-Tibet-Szene der Leibarzt des Dalai-Lama zitiert, der angeblich selbst unmenschlichsten Folterungen ausgesetzt gewesen sei und der gerne die blutrünstigsten Geschichten erzählt. Ettinger nimmt dazu Stellung und schreibt:

 

"Zu seinen Gefängnis-Bekanntschaften gehörten übrigens auch 'tibetische Widerstandskämpfer', die in Arizona (sic!) von der CIA ausgebildet worden und dann mit dem Fallschirm über Tibet abgesprungen waren. Auch mit denen hatten die Chinesen nicht einfach kurzen Prozeß gemacht. Schon gar nicht wurden sie in Stücke gehackt, ausgeweidet, lebendig begraben oder verbrannt." (S. 210) Dies hatte der Mönchsarzt zuvor in einem Buch aber behauptet...

 

Antichinesische Propaganda aus dem Ausland

Der aus Tibet geflohene weltliche und klerikale Adel ließ sich vorrangig in Indien nieder und konnte dort sein Luxusleben fortsetzen. Was nicht unbedingt für ihre mitgeflohenen Dienstboten galt und gilt. Die Zahl der Flüchtlinge wird seither maßlos übertrieben, um das Bild von einem Aufstand eines unterdrückten Volkes nicht zu gefährden. Und auch, um den Spendenstrom von "westlichen Gut-Menschen" nicht versiegen zu lassen. Nach US-Quellen ist damals etwa ein Prozent der ethnischen Tibeter aus der Volksrepublik geflohen. Heute würden die Auslandstibeter maximal drei Prozent aller Tibeter ausmachen. Für Gut-Menschen ließen sich CIA und Lama-Clique im Exil dann noch etwas ganz besonders einfallen: Sie entwarfen ein Phantasiebild von einem bis 1949 paradiesischen Tibet und präsentierten sich selbst als friedfertige Mönche, für die die Menschenrechte, die Demokratie und die Ökologie die höchsten Werte bildeten. Und sie konstruierten ein staatliches Gebilde "Groß-Tibet", daß es zu befreien gelte. Dieses sollte auch angeblich urtibetische Landstriche umfassen, die allerdings niemals zum Herrschaftsgebiet der Lama-Clique gehört hatten. Wobei die mit Dollars gutgeölte Propagandamaschine der "tibetischen Exilregierung" gerade in den USA und in Westeuropa beachtliche Wirkungen erzielen konnte und kann. Im Mittelpunkt der antichinesischen Propaganda steht seither die These von einer angeblichen staatlichen Unabhängigkeit Tibets, die nur durch eine chinesische Aggression und Annexion vernichtet worden sei. Ettinger hat für seine Repliken erneut eine Vielzahl von Fakten recherchieren können, die keinesfalls für derartige Behauptungen sprechen.

 

Die Kapitelüberschriften zu diesem Komplex lauten: "'Tibet im Exil: Mißwirtschaft, Wohlstand auf fremde Kosten und Demokratie als Fassade"; "Internationale Juristenkommission: CIA-Juristen ziehen in den Kalten Krieg"; "Geschichten aus dem Wunderland: Wie ein 'Genozid' zu unerhörtem Wachstum führt..." sowie "...und wie ein 'kultureller Völkermord' eine kulturelle Blüte bewirkt".

 

Ettinger geht u.a. auf Zahlenspiele der "tibetischen Exilregierung" ein, diese "ging nämlich so weit zu behaupten, zwischen 1949 und 1979 seien exakt 156.758 Tibeter hingerichtet, 432.067 im Kampf gefallen, 413.151 verhungert, 174.138 in Lagern und Gefängnissen verstorben und 92.931 zu Tode gefoltert worden; 9.002 hätten Selbstmord begangen." Und er stellt hierzu nur diese Fragen, die sich die Free-Tibet-Aktivisten allerdings niemals stellen: "Wie hätte eine solche - in ihrer scheinbaren Exaktheit völllig absurde - Statistik eigentlich zustande kommen können? Wie hätte eine 'Exilregierung', die über keine Verwaltung und keine Beamtenschaft in Tibet selbst, geschweige denn in anderen Teilen Chinas verfügte, Daten mit einer derartigen Präzision erfassen können?" (S. 239)

 

Nebenbei, wenn diese Zahlen stimmen würden, dürfte in ganz China eigentlich kein einziger Tibeter mehr leben.

 

Und was die Behauptungen über "chinesischen Völkermord in der chinesischen Kolonie Tibet" angeht, so kontert er geschickt mit den nachgewiesenen Gegebenheiten und Folgen der christlich-weißen Kolonialisierung Afrikas, Australiens und beider Amerika und der elenden Lage der "native americans" vor allem in der USA, aber auch in Kanada...

 

"Religionsfreiheit" und Menschenrechte

Fehlende Religionsfreiheit und Menschenrechtsverletzungen sind gewichtige Schwerpunkte der antichinesischen Free-Tibet-Propaganda. Auch hierauf geht Ettinger ein und schaut dabei nicht bloß auf China, sondern auch nach anderen Ländern in Europa und auf anderen Kontinenten. Entsprechende Kapitelüberschriften lauten: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!' - Über Religionsfreiheit und ihre Grenzen"; "Vom Menschenrecht auf Bildung und vom Menschenrecht auf Entwicklung"; "'Tibeter sind keine Chinesen': Das rassisch-völkische Argument"; "Das 'Großtibet' des Dalai-Lama - ein Aufruf zu Rassenhaß, ethnischer Säuberung, Krieg und Völkermord"; "Nazifreunde des Dalai-Lama: Der 'österreichische Bergsteiger' Heinrich Harrer und der 'Rassenforscher' und Kriegsverbrecher Bruno Beger sowie die rechte Szene". Sehr bezeichnend ist auch das 32. Kapitel: "ICT, NED, RoG: Fortführung des CIA-Krieges mit anderen Mitteln", insbesondere mit Hilfe von sogenannten "Nichtregierungsorganisationen" wie den "Reportern ohne Grenzen". Ettinger führt hier einige anschauliche Beispiele von Fälschungen bzw. Verfälschungen an, die angebliche chinesische Verbrechen belegen sollen. Schlimm wird es aber wirklich, wenn sich junge tibetische Mönche vom Ausland her zu Selbstverbrennungen verführen lassen. Jede einzelne Selbstverbrennung eines Tibeters führt zu einem weltweiten Aufschrei in den Mainstream-Medien. Massenhafte Selbstmorde aus sozialen Gründen z.B. in Indien würden dagegen in diesen Medien so gut wie keine Erwähnung finden. Warum? Ettinger dazu:

 

"Der Grund für die ganz besondere Aufmerksamkeit, welche unsere Medien den brennenden Tibetern schenken, liegt darin, daß sich mit ihnen so gut Stimmung gegen China machen läßt. Und an der Tatsache, daß ein sich rasant entwickelndes China die weltweite Hegemonie der USA und ihrer Verbündeten langfristig bedrohen könnte." (S. 355).

 

Albert Ettingers Buch ist tatsächlich eine Streitschrift. Aber nicht, wie von der "Free-Tibet-Szene" unterstellt, für die chinesische Regierung. Nein, es ist eine streitbare Schrift für die historische Wahrheit und den damit verbundenen Hintergründen und Zusammenhängen. Deshalb geht er auch auf die abstrusesten Behauptungen sowohl der Lama-Clique als auch ihrer getreuen Aktivisten in den USA und Europa ein. Es gelingt ihm auf gekonnte Weise, mit spitzer Feder und zugleich sachlich, auch noch die dümmlichsten und hirnrissigsten Äußerungen dieser Leute zu kontern. Und das auf der Grundlage einer universellen Sicht. Zahlreiche historische Fotos, aber auch aktuelle Farbaufnahmen heutiger "West-Touristen" illustrieren dieses Buch und unterstützen Ettingers Aussagen und Wertungen. Unbedingt erwähnt werden soll an dieser Stelle auch die sehr ansprechende Buchgestaltung durch Fabio Biasio.

 

Der Begriff "Standardwerk" ist leider heutzutage und hierzulande etwas abgegriffen. Aber, auf beide Tibet-Bücher Albert Ettingers trifft diese Bezeichnung ohne Wenn und Aber voll zu.

 

Siegfried R. Krebs

 

Albert Ettinger: Kampf um Tibet. Geschichte, Hintergründe und Perspektiven eines internationalen Konflikts. 384 S. m.Abb. Klappenbroschur. Zambon-Verlag. Frankfurt am Main 2015. 25,00 Euro. ISBN 978-3-88975-235-2

 

 

 



 
10.03.2015

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
<- Zurück zu: Freigeist Weimar

Das könnte auch andere interessieren? Informieren Sie Ihre Freunde:

meinVZ