Über eine mysteriöse Mordserie in der Kaiser-Residenz Trier

WEIMAR. (fgw) Trier an der Mosel war nicht immer eine provinzielle Universitätsstadt. Denn vor mehr als 1700 Jahren Jahr war Trier sogar eine der glanzvollen Kaiser-Residenzen des antiken Römischen Reiches. So residierte hier u.a. auch der von der christlichen Kirche zu „Konstantin der Große“ verklärte Flavius Valerius Constantinus (272 – 337). In jene Zeit, konkret ins Jahr 313, führt uns Uwe Klausners historischer Kriminalroman „Die Ehre der Prätorianer“.


Klausner läßt seinen Leser aber nicht gleich ins antike Trier „eintauchen". Innerhalb einer längeren Einführung benennt er die allesamt fiktiven Figuren seiner Geschichte und stellt dann „im Stenogramm" das Leben Kaiser Konstantins vor. Und an dieser Stelle läßt der Autor erstmals aufhorchen, indem er gleich in der Überschrift dieses Abschnittes jenen vorstellt als „der Christ, der über Leichen ging". Konstantin kommt auch im weiteren nicht gut weg, wenn auf ihn die Rede kommt. Denn verschiedene der Figuren bezeichnen den Herrscher deutlich als Usurpator. Zur Einführung zählen ferner eine Übersicht über die „konstantinische Dynastie" (nicht wenige ihrer Mitglieder ließ Konstantin umbringen...), Erläuterungen zu den Prätorianern, Hinweise zur seinerzeitigen Stundeneinteilung und zu den Besoldungen in den römischen Truppenteilen sowie schließlich eine Stadtplanskizze Triers zur Zeit Konstantins.

 

Erst auf Seite 23 geht es mit dem Prolog los, dessen Ereignisse sich am 28. und 29. Oktober des Jahres 312 zutragen. Gemeint ist die Schlacht an der Milvischen Brücke bei Rom. Hier besiegt Konstantin - angeblich im Zeichen des Kreuzes - seinen Schwager und Mit-Kaiser Maxentius. Ziel Konstantins ist die Alleinherrschaft, daher zerstört er mit Waffengewalt das von Kaiser Diokletian geschaffene politische System der Tetrarchie.

 

Held des Prologs ist einer der Tribunen der Prätorianer-Garde, Quintus Aurelius Rufius, ein Maxentius-Getreuer. Rufius kann das Massaker, das Konstantins Truppen veranstalten, überleben. Allerdings schwerverletzt. Dem Leser wird das antike Denken über den Tod und das Danach anhand seiner Fieberwahnvorstellungen sehr anschaulich vor Augen geführt. Und damit endet auch der Prolog.

 

Weiter geht es - auf den Tag genau ein Jahr später - in Trier. Was sich hier ereignet an nur zwei Tagen, das wird im wahrsten Sinne des Wortes minutiös erzählt:

 

Auf dem Friedhof wird die Leiche eines sehr reichen Emporkömmlings, insbesondere als Zuhälter, namens Myron aufgefunden. Dieser wurde vor seiner Tötung noch exzessiv gefoltert. Natürlich ist das sofort Stadtgespräch. Nur wenige Stunden später wird ein Anschlag auf einen der beiden Bürgermeister verübt. Leidglich durch Zufall kommt dieser (zunächst) mit dem Leben davon. Und kaum ist die Kunde von Myrons Tod beim Stadtpräfekten eingegangen, da erscheint bei diesem die prominenteste Edelprostituierte und schlägt jenem ein Geschäft vor. Sie offeriert dabei den Lustsklaven Auletes als Myrons Mörder. Als dieser im Badehaus verhaftet werden soll, befinden sich dort gerade Gaius Aurelius Varro, ehemaliger Tribun - jetzt Anwalt und Ratsherr - und dessen Freund, der Militärarzt Valerius Probus.

 

Beiden ist die Geschichte um Mord und vorgeblichen Täter suspekt, also übernehmen sie die Aufklärung des Falles: Varro als Auletes' Anwalt, Probus durch Leichenschau. Der Präfekt läßt Auletes in der Kerker bringen, doch nur kurze Zeit später ist auch der vorgebliche Möder tot - durch Schlangenbiß. Für den Präfekten ist damit der Fall erledigt, doch Varro und Probus lassen nicht locker und finden - nicht zuletzt durch Hilfe von Informanten - auf die richtige Spur. Dabei kommt es zu weiteren Todesfällen. Der jetzt doch tödlich getroffene Bürgermeister kann ihnen noch etwas flüstern... Es gibt nun also Indizien, Überlegungen, aber keine Beweise, zumal wichtige Zeugen ja tot sind.

 

Einschub: Der Roman liest sich über etliche Dutzend Seiten doch recht sperrig. Was möglicherweise an der Erzählstruktur liegt, die der Autor wohl zur Verdeutlichung der damaligen Zeiten und Verhältnisse gewählt hat. Doch wenn es Varro und Probus langsam „dämmert", dann überschlagen sich nicht nur die Ereignisse, dann wird es dramatisch und wirklich spannend erzählt. Der Leser beginnt mitzufiebern, will endlich wissen, was eigentlich in Trier los ist.

 

Und just jetzt kommt auch Rufius wieder ins Spiel. Er ist übrigens ein alter Bekannter von Varro, waren sie doch Jahre zuvor Waffenbrüder. Rufius hat hier in Trier mit einem Mann zu tun, der dem Leser nur als „die Viper" vorgestellt wird. Diese „Viper" ist der Auftraggeber (nein, eigentlich nur Mittelsmann des eigentlichen und absolut anonymen Auftraggebers), für den der ehemalige Tribun nunmehr tätig ist.

 

Von Rufius ist immer wieder zu vernehmen, daß er der Ehre der Prätorianer verpflichtet sei. Was nach der Milvischen Brücke konkret bedeute, daß er für das Weiterleben seiner wenigen wenigen Prätorianer verantwortlich wäre. Hierfür müsse er „nur ein Jahr und einen Tag" lang die Aufträge der „Viper" erledigen. Klausner unterbricht seine berichtende Erzählung drei Mal, in denen er Rufius mit je einem kurzen „Memento Mori" zu Wort kommen läßt. Durch diese Wortmeldungen ist ab einer gewissen Zeit der Leser den antiken Ermittlern immer einen großen Schritt voraus.

 

Das Ende der Geschichte überrascht dann doch... Nicht nur Varro, sondern auch den Leser.

 

Aber wie in jedem guten Krimi geht es auch hier um folgende Fragen: Wer ist der Mörder? Welches sind die Motive, ausgerechnet einen Zuhälter, einen Bürgermeister und einen Lustknaben zu töten? Was ist das Motiv? Und wie hängen die drei Personen zusammen? Was kann denn so gefährlich sein, daß diese getötet und mundtot gemacht werden mußten? Welches so unerhörte Geheimnis liegt alledem zugrunde? Und vor allem: Es muß Hintermänner geben. Wer sind diese? Denn der Mörder handelte doch nur auf Auftrag!

 

Ein Glossar sowie eine vierseitige Bibliographie runden diesen Roman ab. Wer sich also mehr für jene Zeit interessiert, der dürfte durch diesen Krimi angeregt werden, sich durch Sachbuch-Lektüre weiter zu informieren.

 

Im Text selbst geht Klausner außerdem noch knapp an einigen Stellen auf das damalige Christentum ein, auch wie diese seinerzeit in gebildeteten Kreisen wahrgenommen wurden. Man wird dazu fündig u.a. auf den Seiten 91 und 136. Auf letzterer heißt es bezogen auf Konstantin, den „ruchlosen Usurpator", geäußert von Rufius:

 

„Nicht genug, daß er den Thron wider Recht und Gesetz an sich riß, erdreistete er sich, nach seinem Sieg an der Milvischen Brücke den Christen freie Ausübung des Kultes zu gewähren. Jenes Kultes, der den Christengott über den Kaiser und Augustus der Römer stellt und das Ziel verfolgt, Macht und Ansehen des Staates zu untergraben."

 

Und was bewußten Konstantin, den „ersten christlichen Kaiser unter dem Zeichen des Kreuzes" angeht, so führte er seine Truppen nicht gegen einen angreifenden äußeren Feind, sondern ließ in einem Bürgerkrieg nur um der eigenen Macht willen, seine eigenen Landsleute niedermetzeln...

 

Wie oben gesagt, der Roman liest sich im ersten Drittel etwas sperrig, aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen. Spannung muß ja nicht immer nur vordergründig sein!

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Uwe Klausner: Die Ehre der Prätorianer. Historischer Kriminalroman. 280 S. Klappenbroschur. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2018. 13,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2299-7

 



 
23.07.2018

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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