Über Syrien: Ein Akt der kollektiven Selbstverteidigung?

WEIMAR. (fgw) Der Abschuss eines syrischen Jagdbombers vom Typ Su-22 am vergangenen Sonntag, den 18. Juni 2017, durch eine amerikanische F-18 im Luftraum über der Stadt Rakka wirft viele Fragen auf. Allein die amerikanische Behauptung, es habe sich um einen Akt der kollektiven Selbstverteidigung gehandelt, ist absurd, um nicht zu sagen schizophren.


Oberst a.D. Bernd Biedermann

Angeblich habe die syrische Maschine Stellungen der von den USA unterstützten Rebellen bombardiert. Syrien bestreitet das. Der Angriff der Su-22 galt Stellungen des IS. Aber selbst wenn dabei sogenannte moderate Rebellen getroffen wurden, so wäre das noch längst kein Grund gewesen, das Flugzeug abzuschießen.

 

Erinnern wir uns in diesem Zusammenhang daran, dass die USA in den 1980er Jahren in Afghanistan die Taliban massiv unterstützt haben, nur um die sowjetischen Truppen zu treffen. Gegenwärtig handeln die USA im Nahen Osten erneut nach dem Motto „Der Feind meines Feindes ist mein Freund". Schließlich kämpfen die „Rebellen" weniger gegen den IS als vielmehr gegen die legitime Regierung Assad.

 

Die US-geführte Koalition wäre gut beraten, wenn sie bei ihren weiteren Handlungen das militärische Kräfteverhältnis im Raum beachten würde. Während die syrisch-russischen Kräfte nicht nur über starke Fliegerkräfte, sondern auch über wirksame bodenständige Luftverteidigungsmittel verfügen, hat die Koalition so gut wie keine solche Mittel. Von einem System wie dem S-400 kann man da nur träumen. Es wäre also für die amerikanischen Piloten ziemlich gefährlich, sich weiter so zu verhalten wie am 18. Juni bei Rakka.

 

Die Reaktion der russischen Seite auf den Abschuss war eindeutig. Man werde künftig jedes fliegende Objekt kurzfristig als Ziel betrachten und jeden angreifen, der gegen die Luftwaffe Syriens handelt. Aus völkerrechtlicher Sicht ist man dazu jedenfalls berechtigt. Während sich die russische Luftwaffe auf Bitten der syrischen Regierung an den Kampfhandlungen gegen den IS beteiligt, setzen die USA und andere Staaten ihr Militär dort auf eigenen Entschluss und keinesfalls zu Gunsten Assads ein.

 

Russland mahnte die USA, die territoriale Integrität Syriens zu respektieren. Zugleich hat man die mit den USA vereinbarten Kontakte zur Verhinderung von Zwischenfällen ausgesetzt, weil die Kommunikationskanäle vor dem Abschuss der Su-22 nicht genutzt wurden.

 

Offensichtlich hat die harsche Reaktion aus Moskau zu einer gewissen Ernüchterung auf Seiten der USA geführt. Laut t-online.de vom 20. Juni. erklärte das Pentagon ziemlich kleinlaut, man suche keinen Kampf mit der syrischen Regierung oder ihren russischen Unterstützern. Inwieweit man sich daran hält, wird sich bald erweisen.

 

Man kann es drehen und wenden wie man will. In jedem Fall war der Abschuss eines syrischen Flugzeugs in seinem eigenen Luftraum durch eine US-Maschine ein aggressiver Akt!

 

 

Bernd Biedermann, Oberst a.D.

 



 
20.06.2017

Von: Bernd Biedermann
 
 
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