Walli Winzer schaut sich diesmal sogar in Anatolien um

WEIMAR. (fgw) Maria Publig hat nun mit „Waldviertelblut“ den vierten Kriminalroman um die PR-Lady Walli Winzer vorgelegt. Die Wienerin Walli Winzer scheint, seit sie einen Nebenwohnsitz im sogenannten Waldviertel hat, das Verbrechen magisch anzuziehen. Was dazu führt, daß sie nebenbei parallel zur Polizei eigene Ermittlungen anstellt und sich als Laiin in der Regel dabei sogar auf der richtigen Spur befindet. Der Polizei außerdem immer einen Schritt voraus, was sie aber nicht selten selbst in Lebensgefahr gebracht hat.


Doch beim aktuellen Mordfall ist alles etwas anders als bisher. Walli, die das Landleben genießt, wird nach Wien gerufen. Ein ihr privat gut bekannter Unternehmer will ihr einen lukrativen PR-Auftrag übertragen. Sie soll die Kollektion einer türkischen Stardesignerin für den Wohnbereich betreuen. Natürlich nimmt Walli an. Doch kaum ist der Vertrag geschlossen, ist nichts mehr wie es bis eben war. Bei der Präsentation in einem Teppichhaus kullert ein Toter aus einem der Teppiche. Bei dem handelt es sich um Wallis Auftraggeber! Die zuständige Wiener Polizei nimmt noch am Tatort einen jungen Mann fest. Der gibt sogar zu, daß es sich bei der Mordwaffe Halstuch um das seinige handelt. Dieser junge Mann war bis vor kurzem Postbote in Wallis dörflichem Lebensraum. Er beteuert seine Unschuld, bittet Walli um Hilfe. Sie möge auch den dörflichen Polizisten um Hilfe ersuchen. Walli ist instinktiv von der Unschuld des jungen Mannes überzeugt. Wie auch der Dorfpolizist. Doch weiter ist dann von polizeilichen Ermittlungen nichts zu erfahren.

 

Allerdings ist Wallis Neugier geweckt. Nicht nur in Bezug auf diesen Mordfall, sondern ebenso auf das Textilgewerbe. Sie selbst aber ermittelt im Gegensatz zu früher eigentlich gar nicht. Aber ihre der PR geschuldeten Recherchen konfrontieren sie dennoch immer wieder mit der Ermordung des Unternehmers.

 

Und bereits ab der Präsentationsveranstaltung beginnen Zufälle am laufendenden Band. Später wird es noch einen zweiten Mord geben - Opfer ist dann der Inhaber des türkischen Teppichhauses. In diesem lernt Walli eine junge Studentin kennen, die Nichte des Inhabers. Bald darauf stellt sich heraus, daß diese Studentin gut befreundet ist mit den Kindern von Wallis bester Freundin. Diese lebt ja auch in dem bewußten Dorf. Und Verwandte der Studentin leben und arbeiten sogar in einem Waldviertler Unternehmen. Ein weiterer Zufall will es, daß ein guter Bekannter Wallis, ein ebenfalls im Dorf lebender freier Journalist, einen Artikel über die Textilproduktion schreiben soll. Da bleibt es nicht aus, daß Walli den Journalisten bei seinen Recherchen begleitet. Bereits im Waldviertel wird sie mit der Lebenswirklichkeit türkischer Gastarbeiter konfrontiert und muß sich schon da von ersten Klischees trennen. Der Betriebsbesuch führt aber auch zur Frage, ob der Mordfall etwas mit Differenzen in der Geschäftsführung zu tun haben könnte. Also, ob die Produktion etwa ins Billiglohnland Türkei verlagert werden soll.

 

Der Journalist muß zum Thema auch in der Türkei recherchieren. Natürlich ist Walli mit von der Partie! Und sie schaut sich in Anatolien um. Konkret in der Gegend, wo die Geschäftspartner des österreichischen Unternehmens beheimatet sind. Wie der Zufall es wieder will, lebt im betreffenden Dorf die Familie der Studentin. Walli genießt die typisch türkische Gastfreundschaft mit tiefen Zügen. Und just in der Zeit wird dort der Wiener Teppichhändler ermordet. Dieser hat aber kein gutes Ansehen im Dorf und auch nicht in der Familie. Im Gegensatz zu den doch recht aufgeklärten Eltern bzw. Großeltern der Studentin ist er Anhänger des rückwärtsgewandten, fundamentaistischen Islams. Wie und auch was die türkische Polizei ermittelt, wird nicht mitgeteilt. Walli kann jedenfalls unbehelligt ins Waldviertel zurückkehren...

 

Der Dorfpolizist ist mit einem Wiener Kollegen befreundet, der den Fall nicht ad acta legen will. Langsam kann tatsächlich die Unschuld des früheren Postboten festgestellt werden. Dennoch bleibt die Frage nach dem Motiv für die beiden Morde, die ja zusammenhängen müssen. Und natürlich die Frage nach dem Täter. Es ist dann eher Zufall, der Walli und mehr noch die Studentin auf die richtige Spur führt.

 

Dies alles unterscheidet diesen Roman von seinen Vorgängern, macht ihn aber um so glaubhafter. Lesenswert sind insbesondere auch die Kulturschocks, die Walli in der Konfrontation mit Türken und in der Türkei erlebt. Daß sie wie üblich, überall und immer auch ihrem Marken-Shopping-Tick frönt, braucht wohl nicht extra erwähnt werden. Amüsant wie immer auch die Passagen, in denen ihr Kater Filou eine Rolle spielt. Und und und...

 

Maria Publig ist wiederum - mit einer schlimmen Ausnahme - erzählerisch Spitze. Einerseits durch die Verwendung vieler kurzer, aber prägnanter Sätze. Andererseits durch die gekonnte Beschreibung von Charakteren, Milieus und Situationen.

 

Die eben erwähnte schlimme Ausnahme ist der einfach nur gräßlich zu nennende „politisch korrekte" Sprachstil, die Sprachverhunzung. Den Gipfel stellt hier die Seite 183 dar, da wimmelt es nur so von Formulierungen wie:

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter;

Arbeiterinnen und Arbeiter;

Produzentinnen und Produzenten;

Arbeiterinnen und Arbeiter;

Schreibttischtäter und -täterinnen [warum ausgerechnet hier die männliche Form zuerst?];

Konsumentinnen und Konsumenten;

Journalistinnen und Journalisten;

die Produzierenden...

Das hemmt nicht nur den Lesefluß, das mindert sogar ungemein das Lesevergnügen. Denn abgesehen davon, lesen sich Maria Publigs spannende Bücher tatsächlich mit Vergnügen.

 

Da muß man ja sogar froh sein, daß es da noch nicht solche Verhunzungen wie „Bürgerinnen- und Bürgersteig" oder „Passagierinnen- und Passagierflugzeug" gibt.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Maria Publig: Waldviertelblut. Kriminalroman. 284 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2021. 13,50 Euro. ISBN 978-3-8392-2865-4

 



 
06.04.2021

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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