Warum wird denn gleich dreifach in Ostfriesland gemordet?

WEIMAR. (fgw) Lothar Englert hat seinen neuesten Kriminalroman wiederum im beschaulichen Ostfriesland, genauer in Aurich und Leer, angesiedelt. Wo denn sonst?! Und auch wenn die Handlung dieses Krimis rein fiktiv ist, so könnte sie dennoch tatsächlich in vielen Provinznesten dieser Republik stattgefunden haben.


Es beginnt mit dem Mord an Albert Ukena, Immobilienmakler in Aurich. Er wurde nicht nur erstochen und zur Anwendung kam nicht nur ein Klebeband. Nein, dem Manne wurden auch noch die Augen ausgestochen.

 

Da Hauptkommissar Jonte Janßen sich zu dieser Zeit wegen einer anstehenden Operation nicht im Dienst befindet, muß die junge Oberkommissarin Mieke Janßen - mit Jonte weder verwandt noch verschwägert - den Fall übernehmen. Zunächst tippen die Ermittler auf einen Psychopathen - wegen der augestochenen Augen.

 

Nur kurze Zeit später wird der Großbauer Harm Bendichs ermordet. Auch er wurde erstochen, und bei ihm wurde ebenfalls mit Klebeband gearbeitet. Und auch ihm wurden die Augen ausgestochen. Das erhärtet den Verdacht, hier sei ein Psychopath am Werke; ein Serientäter möglicherweise. Bald darauf gibt es einen dritten sehr ähnlichen Mord. Das Opfer ist diesmal der Kaufhausbesitzer Jan Christoffers. Allerdings gibt es hier im Detail eine kleine Abweichung.

 

Da es sich bei den drei Toten um angesehene Honoratioren, erfolgreiche Geschäftsleute, handelt, stellen sich für Mieke Janßen und Kollegen einige Fragen neu: Was verbindet die drei Mordopfer? Was könnte das Mordmotiv sein? Handelt es sich etwa trotz der psychopathischen Spurenlage um Auftragsmorde durch einen Auftragskiller?

 

Mieke Janßen nimmt nun das Umfeld der Mordopfer genauer ins Visier und stößt dabei neben dem erfolgreichen und selbstherrlichen Bürgermeister Matthias Bachmann auf vier weitere Honoratioren: einen Bauunternehmer, einen Steuerberater, einen Bankdirektor und einen Zeitungsverleger. Doch alle schweigen sich aus, sind aber erkennbar in Panik.

 

Während die Krimnalisten mehr oder weniger nur im Dunkeln stochern, läßt Autor Lothar Englert seine Leser nicht im Unklaren. Der Leser ist daher nach nur wenigen Seiten den Kommissaren stets gleich mehrere Schritte voraus.

 

Hintergrund ist ein Spekulationsprojekt in Zusammenarbeit mit einem Schweizer Weltkonzern, der die Honoratioren als Strohmänner benötigt. Und natürlich auch Spitzenpersonal aus der Kommunalpolitik, die alles politisch und verwaltungstechnisch absichern. Aber wem das große Geld lockt, der wird durchaus auch mal leichtsinnig. Was dem Geschäft schadet. Da muß man doch für Ruhe sorgen. Und dafür ist der große Hintermann vor Ort zuständig. Lothar Englert offenbart diesen frühzeitig: Es ist der Leerer Landrat Rolf Storjohann! Der hat auch den Auftragskiller aufgetrieben. Und obwohl der entgegen des Auftrages noch Augenausstecher ist, ist das letztlich für die kriminelle Bande zunächst sogar von Vorteil. Lenkt das doch vom eigentlichen Hintergrund ab.

 

Nur langsam können sich Mieke Janßen und Kollegen vortasten. Sie sprechen mit den richtigen Personen, doch alle schweigen. Und mehr als Indizien gibt es nicht. Doch dann kommt auf einmal Miekes Ehemann ins Spiel, der in der Bank des einen Honoratioren arbeitet. Und eines Tages kommen ihm dort kleine Besonderheiten zur Kenntnis. Und er folgt der Spur des Geldes. Doch er darf darüber mit seiner Frau nicht reden. Aber auch sie hat inzwischen die Spur des Geldes entdeckt... Es geht spannend weiter; aber kann auch alles bewiesen werden?

 

Lothar Englerts Buch ist nicht nur spannend und nachdenklich machend zu lesen. Mehr noch ist es ihm gelungen, seine Haupt- und Nebenfiguren lebensecht zu zeichnen. Da kommt aber nicht nur ostfriesisches Lokalkolorit zutage, sondern ganz Allgemeinmenschliches in Bezug auf Habgier und Selbstzufriedenheit sogenannter Leistungsträger. Übrigens, bei der Figur des Landrates mußte der Rezensent schmunzeln. Denn dem hat der Autor einige negative Charakterzüge im persönlichen Umgang mit Unterstellten verliehen, die von einem seinerzeitigen Thüringer Verfassungsschutz-Präsidenten real praktiziert wurden und medial hohe Wellen schlugen.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Lothar Englert: Ostfriesisches Komplott. Kriminalroman. 314 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2021. 13,00 Euro. ISBN 978-3-8392-0069-8

 



 
25.07.2021

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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