Was aber ist, wenn die Falschen einmal das Richtige sagen???

WEIMAR. (fgw) Eigentlich brachte der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz einen Hauch von Erwartung in die vermuffte Szene, heißt es bei „wissenbloggt.de“, weil er areligiös ist. Jetzt aber komme raus, wie er sich in das allumfassende religiöse Miasma integriert.


Schulz nutzte das aktuelle AfD-Bashing, um sich mit einer Schelte des AfD-Aufrufs zum Kirchenaustritt in den Vordergrund zu drängeln. Das ist ihm gelungen, wie das Googlen von AfD und Kirchenaustritt zeigt: Alles ist Schulz.

 

Die sachliche Grundlage ist eher bescheiden. AfD-Parteitag in Köln: Aufruf zum Kirchenaustritt (Kirche und Leben 22.4.): „Die AfD hat die Kirchen bei ihrem Bundesparteitag in Köln scharf kritisiert." Speziell Frauke Petry und Paul Hampel (Bundesvorstandsmitglied) riefen zum Kirchenaustritt auf: „In dem Verein sollte keiner von uns mehr Mitglied sein."

 

Nun ist das so eine Sache, wenn die Falschen das Richtige sagen. Der Austritts-Aufruf wurde nur von den Kirchen-Seiten publik gemacht, die sonstigen Medien meldeten das nicht. Erst als der Kandidat das aufgriff, wurde eine Nachricht draus:

 

„Ein ungeheuerlicher Angriff auf die Kirchen", hetzte der Kandidat, und das findet sich nun in allen Suchlisten. Als Beispiel sei dieser Artikel genannt, Schulz nennt AfD-Aufruf „abscheulich" (Frankfurter Allgemeine Zeitung 25.4.): „Die AfD hat ihre Mitglieder aufgefordert, aus der Kirche auszutreten. Nun reagiert SPD-Chef Martin Schulz und findet klare Worte für die 'Alternative'."

 

Das Wort mit dem „ungeheuerlichen Angriff auf die Kirchen" stammt aus einem Brief vom Kanzlerkandidaten an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Reinhard Kardinal Marx, und den Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Bischof Heinrich Bedford-Strohm.

 

Der Kandidat macht Kotau vor den ewiggestrigen Glaubensverwesern. Die Vorwürfe der AfD gegen die Kirchen seien „unfassbar und abscheulich", heißt es. Welche das waren, sagt der Kandidat nicht. „In dem Verein sollte keiner von uns mehr Mitglied sein?" und "Der Staat soll für die Kirchen künftig keine Steuer mehr einziehen?"

 

Das sind doch Forderungen, die jeder Vernunftbegabte unterschreiben kann. Nein, was da „unfassbar und abscheulich" ist, das ist die Anbiederung des Kandidaten an die reaktionärsten Kirchenvertreter. So wird Politik gemacht. So werden Meldungen gemacht. Schandbar.

 

Wilfried Müller

 



 
26.04.2017

Von: Dr. Wilfried Müller
 
 
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