Was steckt hinter den Morden in der Saarland-Baubranche?

WEIMAR. (fgw) Greta R. Kuhn kann es nicht lassen. Kann es nicht lassen, exorbitant gute Thriller zu verfassen. Und das möge auch noch lang so bleiben. Ihr nun vorliegender jüngster Roman „Saarland-Connection“ verführt den Rezensenten zu der vorstehenden euphorischen Aussage.


Veronika Hart ist nach einer Zwangspause wegen der Blessuren in ihren ersten beiden Fälle endlich wieder im Dienst. Und so wird sie nun halb dienstlich, halb privat von ihrem Chef zu einer Vernissage in das „Weltkulturerbe" Völklinger Hütte abkommandiert. Doch aus dem „Sehen und gesehen werden" der Saar-Schickeria wird nichts. Denn mitten in die Installation eines angesagten und überaus exaltierten Künstlers ist die Leiche eines nackten Mannes auf ganz besondere Weise drapiert worden. Gut, daß mit Veronika da eine Mordermittlerin sofort vor Ort ist. Bei dem Toten handelt es sich um einen sogenannten Baulöwen, der bei allen Großprojekten des kleinen Saarlandes immer die Nase vorn hatte.

 

Natürlich fällt der Verdacht sofort auf den Installations-Künstler. Aber welches Motiv sollte der denn gehabt haben? Und warum sollte er sich selbst auf diese Weise unter Anklage stellen? Also wird sich im Umfeld des Toten umgesehen. Da ist zunächst seine aktuelle und sehr junge Ehefrau. Doch die kommt nicht in Frage, hat sie doch vom Tode ihres Mannes keinerlei Vorteile. Im Gegenteil. Und was ist mit der ersten Ehefrau? Die ist immerhin nach wie vor im Unternehmen ihres Ex-Mannes tätig und zwar in zweiter Position. Und wie ist es mit den Söhnen aus erster Ehe? Insbesondere zu dem einen hat der Vater keinen Kontakt und ihn außerdem enterbt. Weil er dessen Homosexualität ablehnt...

 

Da geschieht bald darauf ein zweiter Mord. Das Opfer ist eine leitende Beamtin einer Landesbehörde, die für Bauprojekte zuständig ist. Auch sie ist nicht nur getötet worden, sondern wie der Unternehmer auf ganz besondere Weise „ausgestellt" worden. Sofort ist klar, beide Taten gehören zusammen. Nun stellt sich die Frage, ob unterlegene Konkurrenten hinter den Morden stecken können. Schließlich geht es auf ähnliche Weise einem Gutachter „für alles und jedes" an den Kragen... Doch nach wie vor tappen die Kriminalisten im Dunkeln. Immer wieder blitzen Verdachtsmomente gegen den Künstler auf. Und auch gegen den schwulen Sohn und dessen Partner.

 

Dem Leser wird aber bald offenbar, wer der Urheber der Mordserie ist. Dessen Tun ist mit seiner Mitgliedschaft in einer evangelikalen Sekte auf das engste verknüpft. Der Mann bildet sich ein, nur Gottes Werk zu tun und damit über den weltlichen Gesetzen zu stehen. Seine Mission sei es, „das Böse" in Gestalt der mafiösen Saar-Baubranche zu elimieren. Und seine Opfer müsse er auf biblische Weise (anhand der sogenannten Todsünden) augenscheinlich bloßstellen.

 

Nebenbei: Die Autorin führt in diesem Roman einen neuen Akteur ein, zu dem Veronika zunächst ein doch ambivalentes Verhältnis hat - den neuen und sehr jungen Staatsanwalt Sebastian Kirschmeier.

 

Nur langsam nähern sich Veronika und ihre Kollegen - und parallel dazu der Staatsanwalt - diesem Kern des Geschehens an. Doch wer ist der Täter? Welche Motive treiben ihn an? Und zumindest der Leser weiß, daß der Täter seine Liste noch nicht abgearbeitet hat. Und mitten in diesem Geschehen kommt auch noch der Künstler auf eigenwillige Art aus dem Leben...

 

Dieser Kriminalroman ist auf beste Weise ein wirklich spannungsgeladener Thriller, der auf gelungene Weise komponiert ist. Bei dem alles auch wirklich schlüssig und nachvollziehbar erzählt wird. Und er ist zugleich ein keinesfalls plakatives Abbild des realen Kapitalismus - anhand eben des mafiösen Netzwerks aus Unternehmern, korrupten politischen und beamteten Entscheidern sowie willigen, geldgierigen Handlangern in der hochprofitablen Baubranche. Bei dem Arbeiter und geprellte Sub-Unternehmer stets auf der Strecke bleiben.

 

Zustimmend nickend kann man auch bei den Beschreibungen einer (immer wieder neuen) angesagten Kunst-Szene mit ihren schillernden Paradiesvögeln, geschäftstüchtigen Galeristen und kaufenden Banausen. Was aber für den Rezensenten besonders hervorsticht, das sind die Kapitel, in denen der Täter als evangelikaler und selbstgerechter Missionar/Exekutor vorgestellt wird. Es ist Greta R. Kuhn da tatsächlich gelungen, dies nicht plakativ anzuklagen, sondern zum Kern der Sache vorzudringen.

 

Dieses Buch ist also gleich aus mehreren Gründen zu empfehlen. Und es bleibt zu hoffen, daß ein vierter Kuhn-Krimi sehr bald folgen möge.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Greta R. Kuhn: Saarland-Connection. Kriminalroman. 252 S. Klappenbroschur. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2021. 12,00 Euro. ISBN 978-3-8392-0072-8

 



 
10.08.2021

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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