Wenn sich Gegenwart, Mittelalter und auch Zukunft begegnen

WEIMAR. (fgw) Kommt man heutzutage und hierzulande mit Schülern, ja sogar mit Gymnasiasten, ins Gespräch, dann stellt sich vielfach heraus, daß Geschichte für sie zumeist ein Bäh-Fach ist. Woran mag das liegen? An der Präsentation des Stoffes? An den Lehrern? Wie kann man deshalb jugendgemäß das Interesse für Geschichte wecken? Möglicherweise durch gute Fantasy-Literatur, wie sie Petra Mattfeldt mit ihren nunmehr zwei „Multiversum“-Romanen geschrieben hat.


Zwei Jahre nach dem Roman „Der Aufbruch" liegt nun mit „Die Rückkehr" eine (erste?) Fortsetzung vor. Seit Tom Staffords Abenteuer sind einige Jahre ins Land gegangen, er hat die Schule beendet und steht kurz vor dem Abschluß einer Spezialausbildung beim Geheimdienst MI6. Während Zeit dieser sind, wie zu erfahren ist, regelmäßig MI6-Agenten per „Übergangs-Anomalie" ins Mittelalter eingetaucht.

 

Nach seiner Ausbildung soll Tom zusammen mit Commander Sonderborg und weiteren Agenten planmäßig ebenfalls wieder in das andere Universum reisen. Diesmal allerdings mit einem konkreten Geheimdienstauftrag. Doch noch während der Vorbereitungsgespräche taucht am „Übergang" ein allen Anschein nach ermordeter Agent auf - mit der Botschaft „Verhandlungen Magna Carta vorverlegt - Verschwörung - Team in Gefahr".

 

Also müssen Tom und seine Gefährten sofort die Reise in das Universum des 13. Jahrhunderts antreten. Doch dort angekommen, stellen sie fest, daß der zweite Agent unauffindbar und das angelegte Depot leer sind. Also muß man improvisieren und sich uninformiert auf den Weg an die Schauplätze wie Old und New Sarum sowie Birmingham machen. Doch hier tun sich Hindernisse auf, die kleine Gruppe wird überfallen; ein Agent dabei getötet und Sonderborg schwer verletzt. Nur noch zu zweit gelangt Tom in das aus dem ersten Band bekannte Kloster, wo inzwischen Bardo - auch ein MI6-Agent - als Abt wirkt. Sie erfahren Verwunderliches bezüglich der Adelsrebellion gegen den König. Elisabeth, die Tochter des vornehmsten Adligen Birmingham, die Tom seinerzeit kennengelernt hatte und in sie verliebt, sei inzwischen sogar verheiratet.

 

Es stellt sich heraus, daß sie mit Tom verheiratet ist. Mit einem Tom, der unserem wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Jener Tom hat durch die Ehe großen Einfluß erlangt. „Unser" Tom Stafford will aber unbedingt mit Elisabeth Kontakt aufnehmen, auch um seinen Auftrag erledigen zu können. Doch wie, wenn Elisabeth vom anderen Tom und seinen Mannen wie ein Vogel im Käfig gehalten wird? Tom hatte aber den Bettelknaben Ralph getroffen, sich mit ihm angefreundet und es gelingt Tom, über Ralph eine Botschaft an Elisabeth zu senden. Diese trifft sich dann sogar mit ihm, hält das ganze aber für ein böses Spiel ihres Gemahls. Erst spät erkennt sie, daß es tatsächlich zwei Toms gibt. Wobei der andere Tom charakterlich völlig anders ist: arrogant, menschenverachtend, Elisabeth mißhandelnd...

 

Wie geht es weiter? Kann Tom seinen Auftrag ausführen? Das soll nicht verraten werden. Nur so viel: Die Ereignisse überstürzen sich, es kommt zu weiteren Anschlägen auf Tom. Er und Elisabeth können aber sogar kurz ihr Liebesglück erleben. Doch Elisabeths Flucht an einen sicheren Ort mißlingt und auch im Kloster des Bruders Bardo läuft nichts so, wie es sollte.

 

Dabei kommt es zu einem Treffen der beiden Toms. Der andere Tom offenbart, daß er aus einem weiteren Universum komme, in dem schon Zukunft sei. Und sein Auftrag wäre es, Toms Auftrag zu durchkreuzen und ein für alle Mal den Übergang zu verschließen. Man werde aber Tom und seine Kollegen nicht töten, sondern zurückschicken. Sollten sie sich jedoch wehren, drohe ihnen jedoch der Tod, sow wie den anderen Agenten aus der Gegenwart. Im Übrigen, die Menschen aus dem dritten Universum seien schon länger in Toms Welt aktiv, auch in der Vergangenheit, und hätten unerkannt alles im Blick.

 

Was kann noch verraten werden? Der Schluß hat es in sich! Unwillkürlich stellt sich da die Frage ein, ob es einen dritten Band geben wird. Was wird aus Elisabeth, was aus Ralph? Kommt es zu weiteren multiversalen Begegnungen? Möglich ist ja vieles.

 

Alles in allem bietet auch der zweite „Multiversum"-Band spannende Abenteuer und Kämpfe auf Leben und Tod, jähe, überraschende und auch verblüffende Wendungen sowie Einblicke ins mittelalterliche Leben und Denken, selbst zarte Erotik. Und er bestätigt die Wertungen des Rezensenten in der Besprechung zu Band 1.

 

Allerdings hat der Rezensent auch das sprichwörtliche Haar in Suppe gefunden: Elisabeth Vaters wird eingangs als Graf (Earl) von Birmingham bezeichnet, später dann immer nur als Herzog. Doch Herzöge gab es seinerzeit in der englischen Peerage noch nicht...

 

Um auf die Bemerkungen zu Geschichtsunterricht und Fantasy zurückzukommen, soll hier noch kurz der historische Hintergrund zur „Story" aufgezeigt werden:

 

Die Magna Carta (auch Magna Charta), Langform Magna Carta Libertatum (dt. „große Urkunde der Freiheiten"), ist eine von König Johann „Ohneland"am 15. Juni 1215 besiegelte Vereinbarung mit dem revoltierenden englischen Adel. Sie gilt als wichtigste Quelle des heutigen englischen Verfassungsrechts. Diese Magna Carta verbriefte grundlegende politische Freiheiten des Adels gegenüber dem König. Darin ist auch der Kirche die Unabhängigkeit von der Krone garantiert worden. Das Dokument wurde vom König nur auf erheblichen Druck von 25 Baronen (das sind konkret sechs Earls sowie 19 Lords und weitere Adlige) angenommen.

 

Damit die Ergebnisse der Verhandlungen unverzüglich in ganz England verbreitet werden konnten, wurden im Juni 1215 bis zu dreizehn Ausfertigungen der Urkunde ausgestellt. Die Dokumente unterschieden sich dabei in ihrer Größe und Form sowie durch fehlerhafte Abschreibungen teilweise sogar im Wortlaut. Vier Exemplare sind bis heute erhalten; eines davon befindet sich in der Kathedrale von Salisbury (das New Sarum in Geschichte und Roman). Letzteres Dokument ist am besten erhalten und weist im Gegensatz zu den anderen kaum Abnutzungsspuren auf... Und an diesem Punkt setzte Petra Mattfeldt an.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Petra Mattfeldt: Multiversum - Die Rückkehr. Roman. 190 S. Klappenbroschur. Buntstein-Verlag im Bookspot-Verlag. München 2016. 9,99 Euro. ISBN 978-3-95669-047-1

 

 



 
05.01.2017

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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