Wenn Steinböcks Katz' „Horstis“ namenlosen Dackel bewacht

WEIMAR. (fgw) Wohl nicht nur des Rezensenten Ruf „Mehr, mehr, mehr! Mehr davon.“ nach der Lektüre des vierten „Katz“-Krimis wurde von Kaspar Panizza gehört. Denn bereits jetzt liegt Band 5 „Grantlkatz“ vor. Naja, so richtig granteln tut „Frau Merkel“, so der Name der Katze des Münchner Kommissars Steinböck, eigentlich nicht. Aber sie steht vor einer Herausforderung, muß sie doch nun den namenlosen Dackel des Gerichtsgutachters Dr. Horst Schmalzl, genannt Horsti“, unter ihre Fittiche nehmen.


Und wenn der Rezensent weiterhin schrieb, daß Panizza mit jedem seiner Katz-Krimis besser wird, dann wird das mit dem vorliegenden Band noch untermauert! Und, in diesem Band geht es noch komplexer zu, in dem die Lösung des „Gordischen Knotens" überaus gelungen ist. Verblüffend zwar, aber durchaus logisch und dazu noch glaubhaft.

 

Alles beginnt mit einem durchaus kryptisch zu nennenden Prolog. Da wird in regennasser Nacht ein Mann in einem Park überfallen, mit einem Messer bedroht und sogar verletzt, schließlich ausgeraubt. Und was macht da der Überfallene? Bevor der Täter weglaufen kann, meldet er sich zu Wort:

 

»„Hier meine Karte", sagte der Verletzte und streckte dem Maskierten eine Visitenkarte hin, die er aus der Brusttasche seines Sakkos zog. „Ruf mich an."« (S. 12)

 

Eines Tages irgendwann später werden Schönbeck und seine Leute zu einem Tatort gerufen. Zu nächtlicher Stunde wurde das Ehepaar Maucher Opfer eines Raubüberfalls, wobei der Herr Maucher ums Leben kam, während seine Frau Silke verletzt überlebte. Wie sich im Laufe der Ermittlungen herausstellen wird, hat der Täter in einem Rollstuhl gesessen.

 

Das konfrontiert die Mordermittler mit einer Serie von Straftaten in Zuständigkeit des Raubdezernates. Auch da spielte ein Rollstuhlfahrer eine Rolle; allerdings wurden da alle Taten von zwei Personen begangen.

 

Rollstuhlfahrer - da wird Steinböcks Kollege Emil Mayer junior hellhörig, sitzt er doch selber in einem solchen. Und Emil wird noch anderweitig hellhörig. Vor Jahren waren er und Silke Maucher, damals noch unverheiratet, ein Liebespaar. Das allerdings aufgrund sozialer Schranken nicht zusammen finden durfte: Silke - Tochter und Erbin eines steinreichen Bauunternehmers; Emil - nicht nur aus einfachen Verhältnissen stammend, sondern dazu noch ein Afrodeutscher. Diese jetzt bekanntgewordene Verbindung überrascht Steinböck. Aber weil das sehr lange zurückliegt, wird Emil nicht wegen Befangenheit vom Fall abgezogen.

 

Warum aber wurde das Ehepaar Maucher überfallen und Silkes Gatte dabei ermordet? Der Mann war, so wird offenbar, ein skrupelloser Austeiger, ein windiger Geschäftsmann hart am Rande der Legalität und dazu noch spielsüchtig. Da geraten zunächst bulgarische Arbeiter, denen Maucher die Löhne schuldet, in Verdacht.

 

Derweil geschehen weitere Todesfälle. Zunächst wird die Bulgarin „Melanie" in der Praxis des Dr. Schmalzl ermordet und das auch noch mit einem Messer aus dem Besitz des Doktors. Der ruft sofort Steinböck, seinen guten alten Freund an. Und er kann nur sagen, daß ein Mann, der wie der grüne Söder aussah, der jungen Frau vor seinen Augen die Kehle durchgeschnitten hatte. Aber das klingt zu unglaubwürdig und so wird „Horsti" in Untersuchungshaft genommen. Wohin aber mit seinem Dackel? Der kann ja dahin nicht mit. Also erbarmt Steinböck sich und gewährt dem Hund Asyl, zunächst sehr zum Verdruß seiner Katze „Frau Merkel".

 

Und nun kehrt sich das übliche kriminalistische Verfahren um: Steinböck will nicht „Horstis" Schuld beweisen, sondern dessen Unschuld. Und das will sogar der Staatsanwalt.

 

Kurz darauf verstirbt eine Nachbarin des Dr. Schmalzl. Dank des Instinkts von Kommissaranwärterin Ilona Hasleitner wird aber eine Obduktion durchgeführt. Und es stellt sich heraus, daß die alte Frau keines natürlichen Todes gestorben ist. Bald wird klar, daß sie womöglich den wahren Täter in der Causa Schmalzl gesehen hat.

 

Im Zuge seiner Ermittlungen stößt Steinböck auf einen alten Schulfreund, Harti Kleverlä - genannt Sokrates, der Isarphilosoph. Dieser Sokrates lebt seit Jahren obdachlos unter einer Brücke.

 

Desweiteren gerät die bulgarische Familie Jordanov ins Blickfeld der Kriminalisten. Deren Männer sind alle tief in die organisierte Krimnalität verwickelt, der Clanchef sitzt sogar in Haft.

 

Steinböck konsultiert außerdem wie üblich Bekannte bzw. wird wird von diesen konsultiert, als da wären Peter Obstler und Sabine Husup. Und da wäre dann noch eine (illegale) vietnamesische Reinigungskraft mit Uni-Diplom im Polizeipräsidium...

 

Und so fügt sich innerhalb einer Woche ein Mosaiksteinchen nach dem anderen zu einem klaren Bild zusammen. Steinböck erkennt, wer der Mörder in den Fällen Maucher, „Melanie" und Nachbarin ist. Und was all diese Menschen auf ungeahnte Weise verbunden hatte. Vor allem aber, warum aber mindestens ein Mord dem Dr. Schmalzl in die Schuhe geschoben werden sollte. Das führt letztlich auch zum Motiv. Aber wie das alles gerichtsfest beweisen? Das ist die große Frage. Da bleibt dem Steinböck nichts anderes übrig, als dem Täter eine Falle zu stellen. Eine Falle, die jedoch für Steinböck & Co., insbesondere für den freiwilligen Lockvogel, lebensgefährlich werden kann.

 

Selbst das Rätsel im Prolog findet für den Leser so seine Aufklärung.

 

Panizzas aktueller Krimi sprüht wie seine Vorgänger vor Sprach- und Wortwitz, verbindet dazu auf gekonnte Weise Spannung mit Komik und ist wiederum mit einer guten Prise Gesellschaftskritik gewürzt.

 

Danke, lieber Kaspar Panizza, auch für dieses Buch. Und dazu eine Bitte: Es mögen bald weitere Fortsetzungen folgen. Denn Panizzas Krimis sind wirklich vom Feinsten und in der deutschen Krimi-Landschaft etwas ganz Besonderes.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Kaspar Panizza: Grantlkatz. Kriminalroman. 250 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2020. 12,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2716-9

 

 



 
28.09.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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