Wer da so alles „kriminalisiert“ auf der schönen Insel Rügen

WEIMAR. (fgw) „Insellüge“ nennt sich ein Kriminalroman, den die auf Rügen lebende Vogtländerin Maren Schwarz verfaßt hat. Ihr Protagonist ist aber keiner der sonst üblichen Hauptkommissare, sondern ihre Protagonistin ist die Rechtsmedizinerin Leona Pirell (gebürtig in der vogtländischen Kleinstadt Netzschkau). Leona Pirell – heißt man heutzutage so im sächsischen Vogtland bzw. auf dem vorpommerschen Rügen? Das nur so nebenbei angemerkt...


Ihrer Handlung hat die Autorin einen Prolog vorangestellt, dessen Bedeutung sich dem Leser sehr lange Zeit nicht erschließen will: Im September 1986 verschwindet im fränkischen (also bayerischen) Kaff Medorf der zwei Monate alte Säugling Gabriel Huber spurlos. Sämtliche Suchaktionen bleiben erfolglos.

 

Dann Wechsel ins Hier und Heute, also nach Rügen. Der allseits angesehene selbständige Taxifahrer Heintje Gutmann verstirbt im Stau während einer Leerfahrt. Die Ermittlungen ergeben, daß er vergiftet wurde. Und das auf ungeheuerliche Art und Weise und zwar mittels Zyanid, das in einer Zahnplombe versteckt war. Alle Indizien sprechen sofort gegen den Zahnarzt Cem Bissati (heißt man heute so auf Rügen?). Doch welches Motiv könnte Bissati haben? In Verdacht gerät auch Alexa, die Ehefrau des Taxifahrers - eine eiskalte und unnahbare Anlageberaterin einer Privatbank. Übrigens aus Bayreuth kommend...

 

Kommissar Peer Boström konzentriert sich jedoch voll und ganz auf den Zahnarzt, zumal immer mehr Indizien (und sogar Beweistücke) gegen diesen sprechen. Lediglich Leona zweifelt an dieser Spur und begibt sich eigenmächtig selbst auf Tätersuche. Dabei gerät Alexa Gutmann immer mehr in ihren Fokus. Was hat die gewiefte Anlagerin zu verbergen? War der gutmütige und grundehrliche Heintje ihr etwa auf die Schliche gekommen? Und wieso sind zwei so unterschiedliche Menschen überhaupt eine Ehe eingegangen?

 

Leona wird schließlich fündig in einem Stralsunder Fitnessclub. Heintje Gutmann war im Besitz einer Liste mit Nummern. Wie sich herausstellen wird, handelt es sich um Kontonummern. Und es geht dabei um Steuerhinterziehung und Anlagebetrug. Alexa Gutmann ist hier Dreh- und Angelpunkt. Just zu diesem Zeitpunkt meldet sich ein Schweizer Bankmensch namens Arved Fischler bei den Rügener Kriminalisten... Nun beginnt sich alles aufzuklären. Vor allem aber kommt jetzt ein großes und erschütterndes Familiendrama ans Licht. Nicht alles war so, wie es schien... Wie sich nun alles zusammenfügt, das soll hier aber nicht verraten werden, denn das ist sehr originell und durchaus glaubhaft. Nur so viel: Ersten, gutgemeintes muß nicht immer gute Folgen haben. Zweitens, es gibt im Leben doch immer wieder Irrungen und Wirrungen, die auf den ersten Blick unerklärlich scheinen.

 

Hätte die Autorin es hierbei belassen, so könnte man diesen Roman einen überaus gelungenen Krimi nennen. Doch sie mußte einen Neben-Handlungsstrang einfügen aus dem Vorleben ihrer Protagonistin. Ein auch durch sie überführter, aber flüchtiger Kapitalverbrecher namens Olrik Bruhns hatte Rache geschworen. Zu diesem Zweck quartierte dieser Mann sich wochenlang im zeitweilig verwaisten Nachbarhaus Leonas ein. Er beobachtete sie von dort rund um die Uhr und trachtet nach einem günstigen Moment für einen Mordanschlag. Und gerade das ist im Gegensatz zur Haupthandlung ebenso unglaubwürdig wie unlogisch. Schade, das hätte nicht sein müssen. Weniger wäre auch hier besser gewesen.

 

Dennoch, gerade wegen des Familiendramas, in das Alexa Gutmann und Arved Fischler untrennbar verwickelt sind, ist dieser Roman empfehlenswert.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Maren Schwarz: Insellüge. Kriminalroman. 214 S. Paperback. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2018. 12,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2221-8

 



 
08.04.2018

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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