Wer haßt junge nordfriesische Frauen bis auf den Tod?

WEIMAR. (fgw) Sandra Dünschede hat heuer mit „Friesentod“ den nunmehr 14. Kriminalroman um den Kommissar Dirk Thamsen und den rüstigen, „kriminalisierenden“ Rentner Haie Ketelsen vorgelegt. Beide ermitteln bzw. „ermitteln“ seit etlichen Jahren auf ihre jeweils eigene Art und Weise in der idyllischen nordfriesischen Landschaft zwischen Niebüll und Husum.


Haie Ketelsen versteht sich als dörflicher „Hilfssheriff", weil er bereits mehrfach mehr oder weniger direkt bei der Aufklärung von Verbrechen mitgewirkt hat. Eines Tages kommt ihm etwas sehr merkwürdig vor, denn seine neue und noch sehr junge Nachbarin Tatjana Lieberknecht hat seit zwei Tagen ihre Fenster-Jalousien nicht mehr hochgezogen. Ist sie verreist? Aber wenn, dann hätte sie doch bescheid gegeben! Haie vermutet sofort Ungutes. Doch die örtliche Polizei in Person seines Freundes Dirk Thamsen will partout keine Vermißtenanzeige aufnehmen. Ist doch die erwachsene Frau niemandem Rechenschaft über eventuelle Reisen oder häusliches Einschließen verantwortlich.

 

In der Gegend geht über ein verlassenes Gehöft das Gerücht um, dort würden böse Geister ihr Unwesen treiben. Böse Geister, weil es dort vor Jahren gleich zu zwei Tötungsfällen gekommen war. Solche Gerüchte wecken aber Neugier. Und just zu diesem Zeitpunkt macht sich Haies Patensohn Niklas mit einem Freund zu einer Mutprobe auf. Eine Mutprobe, die zu einem Trauma führen wird. Denn Niklas stößt in diesem Haus auf eine gefesselte Frauenleiche! Das ruft nun doch Thamsen auf den Plan und auch Haie sieht sich bestätigt. Handelt es sich doch bei der Toten um eben jene Tatjana Lieberknecht. Die Frau ist am Fund- und zugleich Tatort verhungert. Zuvor muß sie also entführt worden sein.

 

Wer kann dieses Verbrechen verübt haben? Und warum? Diese beiden Fragen bleiben bis zum Schluß unbeantwortet. Da sorgt dann allein schon das „wer" für Überraschung und Verblüffung sowohl bei den Ermittlern als auch bei den Lesern. Noch origineller ist aber das Tatmotiv. Diesbezüglich hat sich die Autorin wirklich etwas besonderes, nicht alltägliches einfallen lassen. Selbst bei aufmerksamsten Lesen dürfte kaum ein Leser hier den „richtigen Riecher" haben.

 

Thamsen und seine Leute, wie auch Haie nehmen nun ihre Ermittlungen auf. In Verdacht geraten sofort der Ex-Freund Tatjanas und auch ein ehemaliger Arbeitskollege. Beide hätten durchaus ein Motiv: Eifersucht bei dem einen, beruflicher Neid bei dem anderen. Beide Männer benehmen sich dazu noch überaus verdächtig.

 

Nach nur wenigen Tagen verschwindet dann auch noch die junge Ilka Brodersen spurlos. Es stellt sich heraus, daß beide Frauen jeweils nach einem Besuch der Dorfdisco verschwunden waren. Da stellt sich sofort die bange Frage, ob hier ein Serientäter am Wirken wäre. Und wieder geraten die beiden Männer in Verdacht, standen doch auch sie in gelegentlichem Kontakt mit Ilka. Bei den Ermittlungen hat Haie insbesondere mit Maike Martensen zu tun. Maike war mit den beiden Verschwundenen gut bekannt bzw. sogar befreundet. Und nun befürchtet sie, daß sie die nächste sein könnte. Haie zieht es derweil zurück ins „Mörderhaus", denn das Fahrrad Tatjanas ist noch immer verschwunden. In dem Haus findet er einen einzelnen, sehr teuren, Ohrring. Eine neue Spur? Denn der Ring muß dort erst ganz kurz liegen; bei der Spurensicherung lag er noch nicht dort. Der Käufer kann durch gute Polizeiarbeit ermittelt werden. Und es steht fest, daß dieser Ohrring keiner der verschwundenen Frauen geschenkt worden war. Muß man nun mit einem neuen Entführungs- und Tötungsfall rechnen? Wanderer finden dann in einem Wald das verlassene Auto von Ilka Brodersen.

 

Eine Zufallsbeobachtung führt den stets radelnden und eigentlich immer gut beobachtenden Haie schließlich auf die richtige Spur. Ein weiterer Zufall führt einen wichtigen Zeugen aufs Polizeirevier. Wo steckt Ilka? Lebt sie noch? Ja, für sie geht es gut aus. Doch die Erkenntnis über das „Wer" und das „Warum" läßt sowohl Haie als auch die Kriminalisten erschrecken. Mit allem hätten sie gerechnet, aber damit wohl nie und nimmer.

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Sandra Dünschede: Friesentod. Kriminalroman. 310 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2021. 14,00 Euro. ISBN 978-3-8392-2824-1

 



 
03.03.2021

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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