Wer ist denn nun der Mörder? Der oder der da oder etwa der?

WEIMAR. (fgw) Eva Reichl hat jetzt mit „Mühlviertler Grab“ bereits den dritten Kriminalroman üm den oberösterreichischen Chefinspektor Oskar Stern und seine Kollegin, die Gruppeninspektorin Mara Grünbrecht, vorgelegt. Wieder einmal haben die Kriminalisten in der Nähe von Freistadt im beschaulichen Mühlviertel, unweit der Landeshauptstadt Linz gelegen, zu ermitteln.


Und es darf vorweg gesagt werden: Mit diesem Krimi ist Eva Reichl ein wahrer Geniestreich gelungen! Denn im Laufe der Ermittlungen wird eine Frage immer „kniffliger"? Es geht um die Frage, wer denn nun der Mörder ist? Der oder der oder etwa gar der? Oder jemand ganz anderes? Nimmt doch die Zahl der Verdächtigen mit jedem Tag zu. Und dann gibt es sogar ein Geständnis. Nein, zeitgleich noch ein zweites...

 

Worum geht es? Chefinspektor Oskar Stern und seine Kollegen müssen in St. Oswald bei Freistadt (beide Orte gibt es tatsächlich) zwei Mordfälle aufklären. Ein rechtspopulistischer Kommunalpolitiker mit Drang in die Landespolitik und fast über Nacht darauf noch ein in jeder Hinsicht gewalttätiger Landwirt wurden vom Totengräber auf dem Friedhof tot aufgefunden.

 

Beide Leichen waren auf dem Grab einer vor einem Jahr bei einem Autounfall ums Leben gekommenenen jungen Frau abgelegt worden. Und zwar in eigentümlichen Positionen. Der Täter hatte dazu die Hände beider Opfer mit Kabelbinder gefesselt. Was irritiert, ist der Umstand, daß der erste Tote nachweislich ertrunken ist. Aber wo? Das ist die große Frage? Der andere Tote ist jedoch erwürgt worden.

 

Noch schwerer zu beantworten ist die Frage nach dem Motiv? Ist die geplante Lockerung des Tierschutzgesetzes der Grund, warum die Männer sterben mußten? Und vor allem: Warum wurden die Mordopfer ausgerechnet auf dem Grab dieser Paula Eckinger abgelegt? Beim seinerzeitigen Verkehrsunfall handelte es sich übrigens um einen Fall von Fahrerflucht. Chefinspektor Oskar Stern zweifelt schon bald an der damaligen Unfalltheorie, doch niemand will ihm glauben. Es ist eben nur so ein Bauchgefühl, das aus dem Ablageort der beiden Toten herrührt.

 

Ja, was hatten die beiden getöteten Männer mit dieser Paula zu tun? Ihr aller Heimatort ist zwar ein kleines Nest, wo jeder jeden kennt, aber da muß es doch wohl mehr geben. Und was verbindet die beiden aktuellen Mordopfer miteinander? Ein Umstand nur am Rande, der jedoch Fragen aufzuwerfen beginnt: Beide Toten wurden ausgerechnet vom Totengräber aufgefunden.

 

Im Laufe der Ermittlungen geraten sogar der seit dem Unfall im Rollstuhl sitzende Verlobte Paulas in Verdacht, dann selbst ihre Eltern. Es ist aber nur Stern, der diese Möglichkeit in Betracht zieht. Und so auf eigene Faust allein ermittelt, dafür belächelt wird, sich Ärger einheimst.

 

Beim Bohren in der Vergangenheit zerbröselt das Heiligenbild Paulas, das insbesondere deren Mutter aufgebaut hat. Paula war keineswegs fromm und keusch, sondern das absolute Gegenteil. Und welches dunkle Geheimnis umgibt ihren Verlobten? Stern kann bald beides klären bzw. aufklären.

 

Es stellt sich auch die Frage, ob und wann es möglicherweise noch einen dritten Toten geben könnte. Denn Paulas freizügiges Vorleben könnte ja der Anlaß für die Morde sein, wenngleich sich ein Motiv daraus nach wie vor nicht ableiten läßt. Also legen sich Stern und seine Kollegin Mara nächtens auf dem Friedhof auf Lauer. Es kommt wie es kommen muß: Mara wird niedergeschlagen und muß schwerverletzt in eine Klinik eingeliefert werden.

 

Schließlich werden auch noch Paulas Eltern entführt. Jetzt gerät sogar Stern in Lebensgefahr. Erst da offenbart sich ihm der Täter und das Tatmotiv... Stern ist konsterniert, denn diese Möglichkeit hatte er nie in Betracht gezogen. Es ist alles also ganz anders als es zunächst schien. Auch der Leser, sogar der aufmerksame, dürften überrascht und überaus verblüfft sein. Eben das nennt der Rezensent Geniestreich!

 

Natürlich geht es in diesem Krimi nicht nur spannend zu. Wie in den ersten beiden Bücher dieser Reihe kommt der Humor nicht zu kurz. Diesmal spielt jedoch Sterns Vorliebe für teure kalbslederne Maßschuhe nur eine winzige Nebenrolle. Im zweiten Band sollte Stern, sehr zum Mißfallen seiner Tochter, seine beiden Enkel „hüten". Aber wegen Mordermittlungen blieb ihm nichts anderes üblich, als die zwei Kleinen im Dienstwagen mit zu den Tatorten zu nehmen.

 

Heuer nun kommt Stern fast täglich zu spät zum Dienst. Seine Kollegen vermuten, daß endlich eine Frau in sein Witwer-Dasein getreten ist. Doch sein eigenes dunkles Geheimnis kann er lange wahren. Ihm war nämlich eine streundende Katze zugelaufen. Diese hat es sich nicht nur bei ihm bequem gemacht, sondern auch noch dreifach „gejungt". Die kleinen Miezen wollten eben versorgt werden. Wie nun löst Stern dieses Problem? Gerade diese feinfühlig ge- und beschriebenen Szenen lassen schmunzeln und sie runden das Charakterbild des Protagonisten ab. Achso, Stern muß noch ein dienstliches Problem in seiner Abteilung lösen. Dieses Problem belastet ihn von Tag zu Tag mehr. Der Leser darf auch hier gespannt bleiben. Aber gemach, man ist ja in Österreich...

 

Und für Humor sorgen dann noch eine Heilquelle und wie verschiedene Personen mit deren heilsamen Wasser umgehen.

 

Nach alldem stellt sich die bange Frage: Wird es (hoffentlich und dazu recht bald) einen vierten Band geben? Bei solch einer talentierten Erzählerin und ihrem überaus interessanten „Gegenstand" ist das nur zu hoffen!

 

 

Siegfried R. Krebs

 

 

Eva Reichl: Mühlviertler Grab. Kriminalroman. 348 S. Taschenbuch. Gmeiner-Verlag. Meßkirch 2020. 13,50 Euro. ISBN 978-3-8392-2741-1

 

 



 
14.08.2020

Von: Siegfried R. Krebs
 
 
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