Wer ist Spörl und was erlaubt er sich unbedarfterweise?

WEIMAR. (fgw) Gerhard Spörl, Jahrgang 1950, studierte in Heidelberg Germanistik, promovierte und wurde 1980 politischer Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“. 1990 wechselte er zum „Spiegel“ und war von 2001 bis 2005 Korrespondent in Washington. Danach war er wieder beim „Spiegel“. Obwohl nunmehr im Ruhestand, ist er noch immer journalistisch aktiv.


Wie die USA China militärisch einkreisen, nicht aber China die USA. (Bildquelle: isw-muenchen.de)

Seine neueste Kolumne trägt die Überschrift „China geht auf dem Weg zur Weltmacht über Leichen".

 

Darin behauptet er, China wolle bis 2050 nicht nur ökonomisch, sondern auch militärisch die Weltmacht Nummer 1 werden. Beschlossen worden sei das auf dem Nationalen Volkskongress, der gerade in Beijing stattgefunden habe.

 

Ja, was ist denn da los und was erlaubt sich Herr Spörl? Offenbar weiß er nicht einmal, dass es der XIX. Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas war, der soeben beendet wurde, und der unter anderem beschlossen hat, in den nächsten Jahren die Armut in China völlig zu überwinden. Das chinesische Parlament, der Nationale Volkskongress, von dem er faselt, fand bereits im März des Jahres statt und hatte mit diesem Parteitag unmittelbar nichts zu tun.

 

In seiner Kolumne unterstellt Spörl der chinesischen Führung, sie strebe die Einverleibung Taiwans an und betreibe im Südchinesischen Meer eine selbstherrliche Annexion. Deshalb würden die Länder dort auf „Amerika" als Schutzmacht bauen. Man muss schon mit Blindheit geschlagen sein, um das zu behaupten.

 

Denn es sind die USA, die mit ihrer 2011 erklärten Pazifik-Doktrin den Anspruch erhoben haben, mit ihrer starken Militärmacht ihre strategischen Interessen in dieser Region durchzusetzen. Dabei sind ihnen die Interessen der Anrainerländer der asiatisch-pazifischen Region völlig gleichgültig.

 

Zudem muss die Frage erlaubt sein, über welche Leichen China da gehen will. Das aufstrebende Land hat keineswegs Ambitionen, die Supermacht USA abzulösen, die mit ihren militärischen Abenteuern weltweit unzählige Opfer zu verantworten hat. China dagegen will wieder den Platz einnehmen, den es als Kulturnation und als Wirtschaftsmacht einst hatte. Dabei spielen sichere Seeverbindungen im Südchinesischen Meer eine wesentliche Rolle.

 

Zu meiner Verwunderung fand ich den Namen Spörl nicht in der Liste der Mitglieder der Atlantik-Brücke. Wie dem auch sei: Für mich gehört er dazu.

 

Bernd Biedermann, Oberst a.D.

(Der Autor war vor 1990 als Militärdiplomat der DDR tätig, darunter einige Jahre auch bei deren Botschaft in der VR China.)

 



 
25.10.2017

Von: Bernd Biedermann
 
 
<- Zurück zu: Freigeist Weimar

Das könnte auch andere interessieren? Informieren Sie Ihre Freunde:

meinVZ